"Die Wirtschaftlichkeit energetischer Sanierungen lässt sich weiterhin gut darstellen"

Felix Kuchlmayr
Kuchlmayr
Felix Kuchlmayr

17.03.2025. Energieberater Felix Kuchlmayr informiert im Gespräch mit WiE über die Bedeutung von Energieberatungen und welche Erfahrungen er in der Beratung von Wohnungseigentümer:innen macht. Lesen Sie auch, wie gerade größere Wohnungseigentümergemeinschaften das Thema angehen können.

Felix Kuchlmayr ist Energieberater bei dem Unternehmen Energie-Spezialisten GmbH. Seit August 2024 bietet er für WiE-Mitglieder kostenlose telefonische Auskünfte zu Fragen rund um die energetische Sanierung an.

WiE: Welche Zielgruppen nehmen denn primär eine Energieberatung in Anspruch?

Felix Kuchlmayr: „In unserer Praxis sehen wir, dass eine Energieberatung mehrheitlich von Hauseigentümern in Anspruch genommen wird. Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) sind bisher noch zurückhaltender, vor allem da die Beschlussfassung komplizierter ist. Trotzdem besteht gerade bei ihnen enormes Potenzial.“


WiE: Und wie können gerade größere Wohnungseigentümergemeinschaften das Thema energetische Sanierung gut angehen?

Felix Kuchlmayr: „Für WEGs empfehlen wir einen strukturierten Ansatz: Zunächst sollte eine Bestandsanalyse durch einen qualifizierten Energieberater erfolgen. Anschließend kann ein maßgeschneiderter Sanierungsfahrplan entwickelt werden, der die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Gemeinschaft berücksichtigt.

Bei den Energie-Spezialisten und bieten wir telefonische Erstberatungen speziell für WEGs an, um den Einstieg zu erleichtern. Dies ist besonders wertvoll in Konstellationen, in denen sich in einer größeren WEG zunächst nur einzelne Personen für das Thema engagieren. Wir können hier wertvolle Tipps geben, wie die übrigen Eigentümer von den Vorteilen energetischer Sanierungen überzeugt werden können. Ein besonders effektiver Weg ist dabei unser Angebot, in WEG-Versammlungen unser Konzept digital vorzustellen und die Fragen aller Eigentümer direkt zu beantworten. Diese offene Kommunikation und der direkte Dialog nehmen in vielen Fällen den Wind aus den Segeln der Zweifler und schaffen eine solide Basis für gemeinsame Entscheidungen.“

WiE: Welche Fragen werden Ihnen bei Ihren energetischen Beratungen am häufigsten gestellt?

Felix Kuchlmayr: „Bei Hauseigentümern drehen sich die Fragen häufig um konkrete Einzelmaßnahmen wie Dämmung oder Heizungstausch und deren Wirtschaftlichkeit. Wohnungseigentümer hingegen haben oft Fragen zur Abstimmung innerhalb der WEG und zu Fördermöglichkeiten für Teilsanierungen. Ein weiterer Schwerpunkt bei beiden Gruppen sind die Fördermöglichkeiten und deren optimale Kombination. Bei den Telefonauskünften für WiE fragen Mitglieder unter anderem Grundlegendes zum Thema Energieberatung, z.B. ab wann man einen Energieberater hinzuziehen sollte, und wenn es um den Heizungstausch geht, welche Heizung für Ihre WEG sinnvoll und möglich wäre."

WiE: Wie schätzen Sie die Kürzung der Zuschüsse für Energieberatungen ein?

Felix Kuchlmayr: „Die Reduzierung der staatlichen Förderung für Energieberatungen seit August ist bedauerlich, da sie eine zusätzliche Hürde darstellt. Allerdings lässt sich die Wirtschaftlichkeit energetischer Sanierungen weiterhin gut darstellen: Steigende Energiepreise, attraktive Restförderungen und der Wertzuwachs der Immobilie machen Sanierungen nach wie vor sinnvoll. Wir empfehlen Eigentümern, die Maßnahmen als langfristige Investition zu betrachten und auch die verbesserte Wohnqualität einzubeziehen.

Wichtig zu wissen: Gekürzt wurde im August 2024 nicht die Förderung der Umsetzung der Maßnahmen, sondern die Beratung (individueller Sanierungsfahrplan, iSFP). Diejenigen, die ohnehin etwas am Haus machen möchten, profitieren nach Durchführung der Energieberatung mittels iSFP dennoch massiv von der Mehrförderung, die WEGs und Hauseigentümer in Form des zusätzlichen iSFP-Bonus erhalten.“

Was raten Sie Eigentümern, die derzeit über einen Heizungstausch nachdenken?

Felix Kuchlmayr: „Unsere Empfehlung lautet, den Heizungstausch nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext des gesamten Gebäudes zu sehen. Vor der Entscheidung für ein neues Heizsystem sollten der Wärmebedarf und das Einsparpotenzial durch Dämmmaßnahmen ermittelt werden. Wärmepumpen sind oft eine zukunftsfähige Option, aber nicht für jedes Gebäude ohne weiteres geeignet. Gerade bei WEGs sind hier individuelle, auf das Gebäude und die Anforderungen zugeschnittene Lösungen zu erarbeiten. Eine individuelle Beratung ist hier unerlässlich.

Wir beobachten übrigens einen deutlichen Trend zu ganzheitlichen Sanierungskonzepten. Immer mehr Eigentümer verstehen, dass einzelne Maßnahmen zwar wichtig sind, aber im Gesamtkontext angegangen werden müssen, um optimal zu wirken.“

Weitere Informationen und Hinweise:

  • WiE-Mitglieder können Felix Kuchlmayr Fragen zur energetischen Sanierung im Rahmen unserer kostenfreien Telefonauskünfte stellen. 
     
  • Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wird nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz gemäß vorläufiger Haushaltsführung fortgeführt, berichtet die Deutsche Presseagentur. „Wer also einen Zuschuss aus dem Programm beantrage und eine Zusage erhalte, könne sich auf diese auch verlassen – es sei denn, es seien etwa unrichtige Angaben bei der Beantragung gemacht worden, führte das Ministerium weiter aus. Damit stehe die Förderung unabhängig von einem möglichen Regierungswechsel zur Verfügung und könne erst durch die Entscheidung einer künftigen Bundesregierung wieder abgeschafft werden, hieß es.“
     
  • Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung an bestehenden Immobilien, werden vom Bund über Zuschüsse gefördert. Zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Für die Heizungsförderung ist hingegen die KfW zuständig.