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28.02.2020. Im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung altern, das wünschen sich die meisten Menschen. Häufig ist dafür ein altersgerechter Umbau nötig. Was Sie speziell bei der Modernisierung des Badezimmers beachten sollten und welche Herausforderungen es beim Einbau einer bodengleichen Dusche gibt, erläutert Birgit Thielmann, Architektin und Beraterin beim Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum (WiE).

WiE: „Wie wird ein Badezimmer altersgerecht?“

Birgit Thielmann: „Badezimmer sind häufig relativ klein und stellen ältere Menschen oder Menschen, die bewegungseingeschränkt sind, vor Probleme. Die Möglichkeiten, ein Bad barrierefrei oder barrierearm umzubauen bzw. anzupassen, sind vielfältig und werden auch von der KfW in den Programmen 159 und 455-B gefördert und teilweise von der Pflegekasse bezuschusst. Dabei geht es nicht nur darum, die Sanitärobjekte, also Waschbecken, Dusche, Wanne und WC, anzupassen bzw. auszutauschen. Es sind auch die Bewegungsflächen zu vergrößern, damit man sich zum Beispiel mit einer Gehhilfe oder mit einem Rollstuhl selbstständig im Bad bewegen kann. Soll das Bad wirklich barrierefrei nutzbar sein, müssen natürlich auch die Zimmertür verbreitert und vorhandene Schwellen beseitigt werden. Sie sollten auch Sicherheitssysteme, zum Beispiel mit Stütz- oder Haltegriffen, einbauen bzw. die nötigen Voraussetzungen hierfür schaffen.“

WiE: „Der Einbau einer bodengleichen (ebenerdigen) Dusche scheint mit Blick auf die Barrierefreiheit sehr attraktiv, ist jedoch nicht einfach zu realisieren. Woran liegt das?"

Birgit Thielmann: „Dreh- und Angelpunkt ist die Aufbauhöhe des Bodens. Reicht die diese nicht aus, können Sie das Projekt ‘bodengleiche Dusche‘ nicht umsetzen. Denn je flacher die Duschwanne ist, desto tiefer greift die Aussparung für die Verlegung des Abwasseranschlusses und Geruchverschlusses in den vorhandenen Fußbodenaufbau ein. Aus diesem Grund gestaltet sich der nachträgliche Einbau einer bodengleichen Dusche im Altbau, zumal im Mehrfamilienhaus, entsprechend schwierig: Die Anschlüsse müssen nämlich jederzeit ‘überspülsicher‘ sein, das heißt, der Anschluss an die Fallleitung muss immer niedriger liegen als der Abfluss der Dusche. Dieses nötige Gefälle muss also geschaffen werden können.

Allerdings kommen immer mehr Lösungen auf den Markt – sehr niedrige Kompaktelemente oder Vorwandinstallationen – bei denen ein Eingriff in den Bodenaufbau unter bestimmten Umständen vermieden werden kann. Alternativ zur gefliesten bodengleichen Dusche ist z.B. auch der Einbau einer flachen Duschwanne aus Stahlemaille oder Acryl möglich, diese ist dann allerdings nicht völlig barrierefrei, man spricht dann von barrierearm.“

WiE: „Wann ist der Einbau einer bodengleichen Dusche also besonders zu empfehlen?“

Birgit Thielmann: „Wenn Sie in einem Einfamilienhaus wohnen, in dem sich das Badezimmer im Erdgeschoss befindet, kann sich der nachträgliche Einbau einer bodengleichen Dusche in der Regel einfacher darstellen, da die Anschlussleitungen im Keller unter dem Bad verlegt werden können. Wenn Sie einen Neubau planen, denken Sie in die Zukunft und sprechen Sie Ihren Bauträger oder Architekten an, damit er die barrierearme oder -freie Planung eines Bades berücksichtigen kann. Eventuell müssen Sie mit Mehrkosten rechnen.“

WiE: „Was raten Sie Wohnungs- und Hauseigentümern?“

Birgit Thielmann: „Da es sich um ein komplexes Vorhaben handelt, rate ich Wohnungs- und Hauseigentümern, sich von mindestens zwei Sanitärfachbetrieben beraten zu lassen. Diese können die baulichen Gegebenheiten vor Ort einschätzen und prüfen, ob und wie ein Einbau möglich ist und wie hoch der Aufwand und die Kosten hierfür ausfallen werden. Auch die Vor-Ort-Bauberatung von WiE, die Mitglieder in Anspruch nehmen können, kann im Vorfeld sehr hilfreich sein. Bei der Durchführung der Maßnahme sollten Sie darauf achten, dass insbesondere bei der Abdichtung und beim Schallschutz sauber gearbeitet wird.

Für Wohnungseigentümer gilt: Wenn bei dieser Maßnahme ein Eingriff in die tragende Struktur sowie in den Fußbodenaufbau (Gemeinschaftseigentum) erfolgen muss, brauchen Sie zuvor einen Duldungsbeschluss Ihrer WEG. Nach der Rechtsprechung darf die WEG Ihnen den Eingriff zur Herstellung von Barrierefreiheit innerhalb Ihres Sondereigentums und auf Ihre Kosten zwar nicht verweigern, aber sie kann Ihnen Auflagen zur Art und Weise der Ausführung machen.“

Hinweise und Tipps:

  • Möchten Sie statt einer Dusche Ihre Badewanne im Alter weiterhin nutzen, können Sie diese mit einem Liftsystem ausstatten. Oder Sie lassen eine Tür in die Wann einbauen bzw. tauschen sie gegen eine Wanne mit einem seitlichen Türeinstieg aus.
  • Informationen über die Fördermöglichkeiten der KfW und Ihrer Pflegekasse
  • Bestimmte Hilfsmittel, zum Beispiel eine Toilettenerhöhung oder ein Haltegriff in der Dusche, kann der Arzt verordnen, die Kosten werden dann in der Regel von der Krankenkasse erstattet. Informieren Sie sich vorher bei Ihrer Krankenkasse.
  • Informationen zum altersgerechten Umbau Ihrer Immobilie finden Sie unter anderem hier.