10.01.2020. Überquellende Mülltonnen und lästige Gerüche – gerade in großen Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) ist der Müll häufig ein Aufregerthema. Abhilfe könnte ein sogenanntes Unterflursystem schaffen: Dabei wird der Müll in großen Behältern unter der Erde gesammelt. Das System bietet Vorteile gegenüber herkömmlichen Mülltonnen, ist allerdings kostenintensiv. WiE hat die wichtigsten Informationen hierzu zusammengestellt.

Wie funktioniert ein Unterflursystem?

Unterflursysteme bestehen aus einem Betonschacht mit Sammelbehältern, die je nach System vollständig oder teilweise unter der Erde platziert sind, und rund 90 Zentimeter hohen Säulen mit einer Einwurfklappe, die in der Regel abgeschlossen werden kann. Die Sammelbehälter sind in verschiedenen Größen erhältlich – bis zu einem Fassungsvermögen von je 5 Kubikmetern. Zum Entleeren wird das vollständige System mithilfe eines speziellen Kranfahrzeugs aus dem Schacht gehoben.

Welche Vorteile bietet das System?

Während herkömmliche Mülltonnen keinen Schönheitspreis gewinnen, ist ein Unterflursystem optisch attraktiver. Insbesondere in großen Wohnanlagen, in denen viele Eigentümer bzw. Mieter wohnen, ist zudem die Platzersparnis ein gewichtiges Argument: Ein Unterflurbehälter mit 5 Kubikmetern benötigt oberirdisch lediglich eine Fläche von 2 Meter x 2 Meter und ersetzt vier große 1.100 Liter-Behälter, informiert zum Beispiel „bonnorange“, der Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt Bonn. Und dadurch, dass der Müll unter der Erde gesammelt wird, sollten unangenehme Gerüche, insbesondere im Sommer, der Vergangenheit angehören. Dank ihrer niedrigen Höhe sind die Einwurfklappen auch für Kinderund Rollstuhlfahrer bequem erreichbar.

In den Niederlanden, Frankreich und Italien sind Unterflursysteme schon lange im Einsatz, hierzulande sind sie noch wenig verbreitet. Allerdings werden sie auch in Deutschland zunehmend eingesetzt, vor allem bei Neubauten und bei der Umgestaltung von öffentlichen Plätzen.

Wie kompliziert ist der Einbau?

Den Einbau eines Unterflursystems kann Ihre WEG nur gemeinsam mit dem kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb durchführen. Welche örtlichen und technischen Voraussetzungen gelten, ist unterschiedlich. So müssen zum Beispiel die Zufahrtsstraßen und der Standort eine bestimmte Breite aufweisen. Außerdem muss der Untergrund frei von Versorgungsleitungen und -schächten sowie von Wurzeln sein. In der Regel wird der kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb prüfen, ob der angedachte Standort geeignet und alle technischen und örtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Die Gesamtkosten für das Projekt sollte Ihre WEG sorgfältig ermitteln und dabei die verschiedenen Posten berücksichtigen – Informationen hierzu erhalten Sie zunächst bei dem Abfallwirtschaftsbetrieb Ihrer Kommune.

Wie hoch die Kosten für die Schaffung eines Unterflur-Standplatzes sind, ist abhängig vom baulichen Aufwand vor Ort und von der Beschaffenheit des Untergrundes. In der Regel ist Ihre WEG für das Ausheben und spätere Verfüllen sowie das Herrichten der Baugrube verantwortlich. Somit sind Kosten für die Erd- und Ausgrabungsarbeiten zu ermitteln. Weitere Kosten fallen in der Regel für den Einbau eines Betonaußenbehälters und einer erforderlichen Bodenwanne mit Sicherheitsplattform an (das erfolgt i.d.R. mithilfe eines Krans).

Hinzu kommen die Kosten für die Sammelbehälter selbst. Manche Kommunen übernehmen diese Kosten komplett bzw. stellen die Behälter kostenlos zur Verfügung.

Fragen Sie auch nach, ob und wie sich ggf. die Gebühren für die Abfallentsorgung mit dem Einbau des Unterflursystems ändern (möglicherweise ändert sich nämlich die Abfuhrhäufigkeit) und ob zusätzlich Kosten für die Wartung des Systems für Ihre WEG anfallen.

Da die Kosten zwischen den Kommunen variieren, ist eine pauschale Kostenaufstellung nicht möglich. Den größten Punkt stellt sicherlich das Errichten des Standplatzes (s.o.) inklusive des Einbaus des Außenbehälters dar.

Wie können Sie das Projekt in Ihrer WEG anstoßen?

Bei der Einführung eines Unterflursystems in Ihrer Wohnungseigentumsanlage handelt es sich nach dem WEGesetz um eine bauliche Veränderung, der alle betroffenen Wohnungseigentümer (und damit in diesem Fall aller Wohnungseigentümer) zustimmen müssen. Das Projekt ist mit umfassenden Bauarbeiten (und daher mit möglicherweise hohen Kosten) verbunden und betrifft zudem die Müllentsorgung jedes Eigentümers bzw. Mieters.

Sie finden die Idee gut? Dann lassen Sie – ggf. über Ihren Beirat – eine Diskussion über das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Eigentümerversammlung setzen. Bereiten Sie als Initiator/in einige Informationen und Argumente vor, um den Sinn und Nutzen einer solchen Anlage für Ihre WEG zu belegen. Angesichts der relativ hohen Kosten wird es sicherlich von Anfang an kritische Stimmen und Rückfragen geben. Vielleicht können Sie mögliche Skeptiker mit dem Argument überzeugen, dass diese Form der Müllentsorgung die Wohnungseigentumsanlage deutlich aufwertet (siehe Vorteile oben). Insbesondere wenn Ihre WEG groß ist und Sie schon länger Probleme mit überquellenden Mülltonnen und zu wenig Platz für zusätzliche Mülltonnen haben, ist es wert, über diese Lösung nachzudenken. Ziel der Diskussion in der ersten Eigentümerversammlung sollte ein Beschluss sein, das Projekt weiterzuverfolgen. Erst wenn die Verwaltung konkrete Angaben zur Ausführung, zu den Kosten und zur Finanzierung zusammengetragen hat, werden die Eigentümer in der nächsten oder übernächsten Versammlung die tatsächliche Ausführung beschließen – oder ablehnen.

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WiE wollte im Rahmen einer Umfrage wissen, welche Erfahrungen WEGs mit dem Thema Mülltrennung und -entsorgung gemacht haben und mit welchen Problemen sie kämpfen. Zu den Ergebnissen der Umfrage