Elisabeth Pawlik: „Außergerichtliche Klärungsmechanismen stärker nutzen“

Wohngebäude in Frankfurt

Elisabeth Pawlik, Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie für Miet- und Wohnungseigentumsrecht, ist für Wohnen im Eigentum als Beraterin tätig. Im Gespräch mit WiE erläutert sie, warum sie gerne Wohnungseigentümer:innen berät und was sich aus ihrer Sicht für Wohnungseigentümer:innen ändern sollte.

WiE: Was motiviert Sie, für WiE Wohnungseigentümer:innen zu beraten?

Elisabeth Pawlik: „Wohnungseigentum ist für viele Menschen ein zentraler Bestandteil ihrer Lebensplanung – meist verbunden mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen. Anders als bei einem Mietverhältnis kann man sich bei Problemen in der Gemeinschaft nicht einfach zurückziehen oder umziehen. Man bleibt miteinander verbunden – rechtlich und persönlich. Mich motiviert es, Wohnungseigentümer:innen gerade in solchen Situationen zu unterstützen, in denen Unsicherheit oder Überforderung spürbar werden. Häufig geht es um ganz konkrete Sorgen: steigende Kosten, Spannungen innerhalb der Gemeinschaft oder das Gefühl, auf Entscheidungen keinen wirklichen Einfluss mehr zu haben. Ich sehe meine Aufgabe darin, rechtliche Zusammenhänge verständlich zu machen und Lösungen aufzuzeigen – möglichst ohne sofort den Weg zum Gericht einschlagen zu müssen.“ 

Rechtsanwältin Elisabeth Pawlik
Rechtsanwältin Elisabeth Pawlik

WiE: Was war bisher Ihr außergewöhnlichster Fall?

Elisabeth Pawlik: „Die Suche nach einem wirklich ‚außergewöhnlichen‘ Fall hat tatsächlich etwas gedauert. Viele Konflikte ähneln sich inzwischen – Zahlungsrückstände, Beschlussanfechtungen, Mängelstreitigkeiten. Was für die Beteiligten belastend ist, ist juristisch häufig kein Einzelfall. Ein Fall ist mir dennoch besonders in Erinnerung geblieben: Für einen Vermieter musste ich eine Räumungsklage erheben, nachdem der Mieter über längere Zeit erhebliche Mietrückstände aufgebaut hatte. Nach Erlass des Räumungsurteils verließ der Mieter die Wohnung schließlich – allerdings nicht, ohne zuvor literweise gesammelten Urin in der Wohnung und im Treppenhaus zu verteilen und so erheblichen Schaden zu verursachen.“

WiE: Was sollte sich dringend für Wohnungseigentümer:innen in Deutschland ändern?

Elisabeth Pawlik: „Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, außergerichtliche Klärungsmechanismen stärker zu nutzen – etwa in Form von Güte- oder Mediationsverfahren, idealerweise schon im Vorfeld von Beschlussfassungen oder sobald sich ernsthafte Konflikte abzeichnen. Wohnungseigentümergemeinschaften sind auf Dauer angelegt. Man ist miteinander verbunden und kann und möchte sich dieser Gemeinschaft nicht einfach entziehen. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, dass Konflikte möglichst innerhalb der Gemeinschaft geklärt werden und nicht vorschnell vor Gericht landen. Die Verantwortung für das Miteinander liegt in erster Linie bei den Wohnungseigentümer:innen selbst – ein moderiertes Gespräch kann dabei oft mehr bewirken als ein Urteil.“


Elisabeth Pawlik berät seit 2019 Mitglieder von Wohnen im Eigentum. Sie ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht und seit 2011 in der Kanzlei Dr. Sonntag Niestrate in Düsseldorf tätig. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der außergerichtlichen Beratung und gerichtlichen Durchsetzung von Mängelansprüchen gegenüber Bauträgern, Bauunternehmen sowie Architekten, der Beratung zum Wohnungseigentumsrecht einschließlich der Prüfung von Bauträgerverträgen sowie im Mietrecht. Dort insbesondere die Geltendmachung von Mieterhöhungen und Mietrückständen sowie deren gerichtliche Durchsetzung.

Seinen Mitgliedern bietet WiE kostenfreie telefonische Rechtsberatungen von Rechtsanwälten an. Außerdem stehen ein Architekt und ein Energieberater für Bauthemen und Fragen zur energetischen Optimierung kostenfrei zur Verfügung. Zur Buchung eines telefonischen Beratungstermins gelangen Sie hier