28.02.2020. Haus- und Wohnungseigentümer können seit Januar höhere staatliche Zuschüsse erhalten, wenn sie ihre bestehende Heizung gegen eine neue austauschen. Die Voraussetzung: Erneuerbare Energien müssen im Spiel sein. WiE gibt einen Überblick. "Lassen Sie sich jedoch nicht von den staatlichen Fördermöglichkeiten verleiten, Ihre Heizungsanlage übereilt auszutauschen", rät Architekt Jan Habermann, der als Berater für WiE tätig ist.

Im Rahmen des Klimapakets wird der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme stärker gefördert. Dabei können Sie als Haus- oder Wohnungseigentümer wählen, welche Förderung Sie in Anspruch nehmen – steuerliche Förderung, Fördermittel der staatlichen KfW-Bank oder des Bundes­amts für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (BAFA).

Die staatlichen Fördermöglichkeiten für den Heizungsaustausch stellen wir im Folgenden vor.

Steuerliche Förderung:

  • Ausgaben für die energetische Gebäudesanierung, unter anderem für die Heizungserneuerung, können Sie – wenn Ihre Immobilie älter als zehn Jahre ist – von 2020 bis 2029 beim Finanzamt geltend machen (§ 35c EstG). Über drei Jahre verteilt können Sie bis zu 20 Prozent der Aufwendungen von der Einkommenssteuerschuld abziehen, höchstens jedoch insgesamt 40.000 Euro.
  • Die steuerliche Förderung gilt nur für Maßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum.
  • Den Steuer­abzug können Sie nur für eine neue Heizung erhalten, die auf Basis von erneuer­baren Energien arbeitet. Wenn Sie den Steuerbonus für eine neue Gasheizung bekommen möchten, muss diese mit erneuer­baren Energien kombiniert werden, informiert Stiftung Warentest. Ölhei­zungen sind nicht förderfähig, genauso wenig Luft-Luft-Wärmepumpen.
  • Eine begleitende Energieberatung (wie bei den KfW-Fördermitteln) ist keine Pflicht.
  • Damit Sie die Kosten für die energetische Sanierung steuerlich absetzen können, müssen die Sanierungsmaßnahmen bestimmte Anforderungen erfüllen. Die Anforderungen können Sie nachlesen in der „Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c des Einkommensteuergesetzes (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung–ESanMV)".

BAFA-Förderung:

Im Rahmen des Klimapakets wurde im Januar 2020 das sogenannte Marktanreizprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Programm „Heizen mit erneuerbaren Energien“) angepasst. Das Heizen mit erneuerbaren Energien wird nun prozentual gefördert (Anteil der förderfähigen Kosten).

In Bestandsgebäuden fördert das BAFA folgende Anlagen mit 20 bis 35 Prozent der förderfähigen Kosten:

  • Solarthermieanlagen
  • Biomasseanlagen (Scheitholz, Pellets, Holzschnitzel),
  • effiziente Wärmepumpenanlagen,
  • Hybridheizungen (die mehrere Anlagen kombinieren und mit Inbetriebnahme Wärme aus erneuerbarer Energie nutzen),
  • „Renewable Ready“-Gas-Brennwertheizungen (Gasbrennwertheizungen, die spätestens zwei Jahre nach Inbetriebnahme zusätzlich Wärme aus erneuerbaren Energien nutzen).

Wenn das alte Heizungssystem, das ausgetauscht werden soll, keine Gas-, sondern eine Ölheizung war, erhöhen sich die genannten Fördersätze nochmals um zehn Prozentpunkte (Austauschprämie für Ölheizungen). Maximal ist also ein Zuschuss von 45 Prozent möglich.

Bitte beachten Sie: Besteht gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV § 10) eine Austauschpflicht für Ihre Heizung, haben Sie keinen Anspruch auf Förderung. Das betrifft Heizungs­anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern, die älter als 30 Jahre sind und bei denen nach 2002 der Eigentümer gewechselt hat. Informationen zu den Fördervoraussetzungen

Auch Optimierungsmaßnahmen an der Heizung (Einzelmaßnahmen) – der hydraulische Abgleich und der Austausch von Heizungspumpen – werden vom BAFA im Rahmen eines Förderprogramms zur Heizungsoptimierung bezuschusst.

In Neubauten werden vom BAFA Solarkollektoranlagen mit 30 Prozent der förderfähigen Kosten und Biomasse- sowie Wärmepumpenanlagen mit 35 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert, sofern sie die entsprechenden technischen Mindestanforderungen erfüllen.

KfW-Förderung:

Die Kfw-Förderung für Öl-Brennwertheizungen und Gas-Brennwertheizungen ist entfallen. Die Änderungen können Sie im Detail hier nachlesen.

Die Heizungsförderung für Einzelmaßnahmen liegt nun nahezu komplett beim BAFA; siehe oben. Ausnahmen sind die Anbindung an Wärmenetze sowie die Optimierung der Heizungsanlage (Programm 430 der KfW). Wie auch bisher fördert die KfW Dämmmaßnahmen und den Einbau neuer Fenster.

Beachten Sie: Bei der KfW-Förderung ist es Pflicht, einen Energieberater zu beauftragen. Dieser muss Sie beraten und Ihren Antrag auf Förderung bestätigen.

Ob KfW oder BAFA: Die Fördergelder müssen Sie vor Beginn der jeweiligen Maßnahmen beantragen.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Kombination der Zuschüsse von KfW und BAFA möglich. Informieren Sie sich über die Details.

Hintergrund: Fossile Energien werden teurer

Hintergrund der Ausweitung der staatlichen Förderprogramme ist die im Klimapaket der Bundesregierung vorgesehene Bepreisung von C02 für Kraft- und Brennstoffe des Verkehrs- und Gebäudebereichs. So ist für 2021 ein Einstiegspreis von 25 Euro pro Tonne CO2 vorgesehen. Der CO2‐Preis steigt dann in den Jahren danach schrittweise bis auf 55 Euro im Jahr 2025. Wer mit fossilen Energien heizt, muss sich daher auf deutlich höhere Energiekosten einstellen. Ein Rechenbeispiel des vom baden-württembergischen Umweltministerium geförderten Informationsprogramms „Zukunft Altbau“: Hauseigentümer, die in einem 150‐Quadratmeter-Haus mit einem durchschnittlichen Energiestandard und rund 2.000 Liter Heizölverbrauch pro Jahr leben, müssen von 2021 bis 2025 Zusatzkosten von insgesamt rund 1.200 Euro einkalkulieren.

Weitere Informationen und Tipps:

  • Architekt Jan Habermann, der als Berater für WiE tätig ist, rät: „Geht es um den Austausch der Heizungsanlage, sollten Sie keinesfalls etwas überstürzt entscheiden. Informieren Sie sich zunächst sorgfältig. Lassen Sie sich unabhängig beraten, ab wann sich ein Austausch der Heizungsanlage rechnet und welche Heizung in Ihrem Fall die beste Alternative zu einer reinen Öl- oder Gasheizung wäre. Das hängt stark von den Gegebenheiten im Einzelfall ab – ob zum Beispiel an Ihrem Wohnort Fernwärme verfügbar wäre. Lassen Sie sich jedoch nicht von den staatlichen Fördermöglichkeiten verleiten, Ihre Heizungsanlage übereilt auszutauschen.“ Auf jeden Fall sollten Haus- und Wohnungseigentümer, so Jan Habermann, eine Bestandsaufnahme machen: Welche Energiesparmaßnahmen sind noch geplant? Diese könnten nämlich Auswirkungen auf die Größe der Heizungsanlage haben. Eine Gesamtbetrachtung sei also in jedem Fall ratsam.
  • Für Wohnungseigentümer: Die Erneuerung der Heizung kann – je nachdem, was im Detail geplant ist – als Instandsetzung, modernisierende Instandsetzung, Modernisierung oder bauliche Veränderung gelten. Dies sollte die Wohnungseigentümergemeinschaft vorher im Blick haben, denn je nachdem, welcher Fall vorliegt, sind andere Mehrheiten bei der Beschlussfassung nötig. Mitglieder können die kostenfreien telefonischen Auskünfte von WiE in Anspruch nehmen.
  • Einen umfassenden Überblick über das Thema Modernisierung der WEG mit Empfehlungen zum rechtssicheren und organisatorischen Vorgehen liefert der kostenfreie PDF-Ratgeber „Der Modernisierungs-Knigge für Wohnungseigentümer“ von WiE, der auch in gedruckter Form im WiE-Webshop bestellt werden kann.
  • Informationen für Wohnungseigentümer zum Thema Heizung und Energie finden Sie auch auf der Themenseite von WiE.
  • Planen Sie eine Heizungsmodernisierung, sollten Sie sich fachkundig und unabhängig beraten lassen, zum Beispiel im Rahmen der Energieberatung der Verbraucherzentralen oder beim Beratungstelefon des Informationsprogramms Zukunft Altbau (Tel. 08000 12 33 33) oder per E‐Mail an beratungstelefon@zukunftaltbau.de.
  • Ende Oktober 2019 hat die Bundesregierung einen Entwurf für das "Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden" (Gebäudeenergiegesetz) vorgelegt. Das Gesetz muss noch vom Bundestag beschlossen werden. Es sieht vor, dass beim Austausch der Heizung Ölheizungen ab 2026 nicht mehr eingebaut werden dürfen, allerdings gibt es Ausnahmen. Hybridheizungen, zum Beispiel aus Ölheizung und Solarthermie, sollen weiterhin erlaubt sein.