14.02.2024. WiE-Mitglied Mario G. ist seit 2007 Beiratsvorsitzender in seiner WEG in Bonn, die 24 Wohneinheiten umfasst. Er ist vom mangelnden Interesse der meisten Eigentümer*innen enttäuscht, macht aber trotzdem weiter.

„2006 habe ich meine Eigentumswohnung gekauft und bin gleich im Jahr darauf Verwaltungsbeirat geworden. Ich bin Diplom-Kaufmann und wollte Einblicke in mein Investment haben, das war ursprünglich meine Hauptmotivation. Schließlich investiert man ja eine große Summe und hat noch dazu laufende Kosten für die Verwaltung und Erhaltung der Wohnungseigentumsanlage. Ich bin dann recht schnell Beiratsvorsitzender geworden, da es sonst keiner machen wollte. Anfangs waren wir zu dritt im Beirat, seit einer Weile sind wir nur noch zu zweit.

Nach rund 15 Jahren Beiratsarbeit lautet mein Resümee: Das Hauptproblem ist das mangelnde Interesse der anderen Eigentümer an den Themen, Fragen und Problemen, die die Gemeinschaft betreffen. Ich habe beispielsweise vor längerem vorgeschlagen, dass wir für unsere beiden Häuser jeweils einen Verantwortlichen wählen, der in ‚seinem‘ Haus anstehende Themen sammelt, zum Beispiel ob irgendwelche Instandsetzungsmaßnahmen nötig sind – und man sich dann regelmäßig, evtl. einmal im Monat, trifft, um diese zu besprechen. Das war mir wichtig, um näher dran zu sein und um sich nicht nur einmal jährlich in der Eigentümerversammlung auszutauschen. Doch darauf gab es keine Reaktion, also null Interesse. Ich verstehe das nicht – schließlich teilt man miteinander die Risiken, aber auch die finanziellen Chancen.

Der Begriff ‚Gemeinschaftseigentum‘ führt meines Erachtens dazu, dass alle denken ‚Die anderen müssen es regeln, ich fühle mich nicht verantwortlich‘. Ein Aspekt, der natürlich auch mit hineinspielt: Ein Teil der Wohnungen (etwa 60 Prozent) gehört Investoren – und die haben nur ein begrenztes Interesse an der WEG als Lebens- und Wohngemeinschaft. Die monatlichen Mieteinnahmen bei geringem Zeitaufwand stehen da eher im Vordergrund.

Dieses Jahr möchte ich ein Sommerfest unter den Bewohnern organisieren, damit man sich näher kennenlernt. Das ist auch wichtig, nachdem vor kurzem viele Eigentümer gewechselt haben. Zum Hintergrund: 2021 hat das Unternehmen Vonovia, das die Mehrheit der Wohnungen besaß und diese vermietet hatte, diese verkauft. Vonovia war gleichzeitig unsere Verwaltung. Aufgrund mangelhafter Leistung haben wir sie schließlich abgewählt. Ein Problem war, dass es häufig Mitarbeiterwechsel gab, neben vielen weiteren Problemen. Seit Anfang letzten Jahres haben wir eine neue Verwaltung, mit der wir bisher recht zufrieden sind. Eine gute Verwaltung zu finden, war nicht einfach, und ich habe als Beirat viel Zeit dafür investiert.

Aktuell stehen in unserer WEG kurzfristig Maßnahmen zur Erhaltung- und Instandsetzung in sechsstelliger Höhe an, die wir teilweise mangels Entscheidungsmöglichkeiten seit dem Beginn der Corona-Krise verschieben mussten.

Wir versuchen, die Möglichkeiten, die sich durch die WEGesetz-Reform 2020 ergeben, zu nutzen. Auf der letzten Eigentümerversammlung haben wir beispielweise einen Beschluss gefasst, der die Teilnahme an der Eigentümerversammlung auch aus der Ferne (Online-Teilnahme) ermöglicht. Dies ist hilfreich für diejenigen Eigentümer, die nicht in Bonn und um Umgebung wohnen.

Wir entwickeln uns als WEG also immer weiter und arbeiten am stetigen Erhalt bzw. einer Mehrung unseres Eigentums. Dies soll auch weiterhin mit Unterstützung von WiE geschehen.“