10.01.2020. Jeder Deutsche produziert im Durchschnitt rund eine halbe Tonne Müll im Jahr. Grundsätzlich gilt: Je besser Müll getrennt wird, desto mehr kann auch recycelt werden. Doch das ist für den/die Verbraucher/in oft schwierig. WiE hat daher Wissenswertes rund um Mülltrennung und -vermeidung zusammengestellt.

Auch wenn die Abfallarten, die im Haushalt anfallen, im Prinzip übersichtlich sind – Plastik, Restmüll, Biomüll, Glas und Papier: Der Teufel steckt im Detail. Häufig ist nicht klar, wie bestimmte Verpackungen korrekt entsorgt werden müssen – insbesondere dann, wenn sie aus einem Materialmix bestehen. Dann müssen diese Materialien erst sorgfältig voneinander getrennt werden, damit sie recycelt werden können. Wohnen im Eigentum forderte daher jüngst eine gesetzlich festgelegte Kennzeichnungspflicht, wie Müll zu trennen und zu entsorgen ist.

Im Folgenden hat Wohnen im Eigentum Informationen zusammengestellt, die im Alltag hilfreich sein können – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn das Thema ist sehr komplex.

Biobasierte Kunststoffbeutel in die Bioabfalltonne?

Grundsätzlich dürfen biobasierte Kunststoffbeutel, die viele gerne zum Sammeln ihres Biomülls verwenden, nicht im Biomüll entsorgt werden (das gilt auch für andere biobasierte Kunststoffprodukte). Denn biobasierte Kunststoffe sind nicht immer biologisch abbaubar, auch wenn sie aus Pflanzenmaterial wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt werden.

Bioabfallbeutel dürfen nur dann mit in die Biotonne gegeben werden, wenn sie zusätzlich auch biologisch abbaubar und nach EN 13432 oder EN 14995 zertifiziert sind. Sie können das anhand eines Keimlingssymbols erkennen (Quelle: Umweltbundesamt). Außerdem muss die Nutzung dieser Beutel in Ihrer Kommune zugelassen sein – informieren Sie sich also über die Vorschriften, die bei Ihnen gelten. Wenn Sie es sich einfach machen möchten, wickeln Sie Ihre Bioabfälle in altes Zeitungspapier oder in Papiertüten ein, das beugt laut dem BUND unangenehmen Gerüchen und Madenbildung vor. Außerdem ist es kostengünstiger, da Sie keine zusätzlichen Beutel kaufen müssen.

Biobasierte Kunststoffe haben insgesamt keinen ökologischen Vorteil gegenüber herkömmlichen Kunststoffen, so das Umweltbundesamt. Als Verbraucher/in sollten Sie also genau hinschauen: Viele Unternehmen tauschen laut Greenpeace heute „Einweg-Plastik aus fossilen Brennstoffen gegen biobasierte Kunststoffe, die oft fälschlicherweise als biologisch abbaubar oder kompostierbar propagiert werden“ (was auch unter dem Begriff „Greenwashing“ kritisiert wird), zum Beispiel Tüten oder Wegwerfartikel wie Besteck und Teller. Nähere Infos hierzu finden Sie in der Greenpeace-Publikation „Das Wegwerfprinzip“.

Nicht jedes Papier ins Altpapier

Nach Weihnachten sind die Papierberge oft besonders groß – aber aufgepasst: Geschenkpapier gehört nicht automatisch in die blaue Tonne. Denn oft ist Geschenkpapier beschichtet (z.B. mit Kunststofflacken oder Folien) und muss deshalb im Restmüll entsorgt werden. Das gilt auch für viele Kassenzettel und Automatenbelege: Häufig handelt es sich um sogenanntes Thermopapier, das chemisch hergestellt wird und Bisphenol A enthält. Ebenfalls in die Restmülltonne gehören: Butterbrotpapier, Tapeten und Wachspapier.

Deckel vom Joghurtbecher trennen

Damit der Kunststoff-Joghurtbecher recycelt werden kann, sollten Sie den Deckel, der aus Aluminium besteht, von dem Becher trennen und dann beides in die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack werfen, so die Empfehlung des Umweltbundesamts. Andernfalls kann die Müllsortieranlage die Materialien nicht klar erkennen. Das gilt auch für den Fall, wenn mehrere Joghurtbecher ineinander gesteckt in der gelben Tonne landen. Das sollten Sie also vermeiden.

Trinkgläser nicht in den Altglascontainer

Ausrangierte oder beschädigte Trinkgläser gehören nicht in den Glascontainer, da sie eine andere Glaszusammensetzung als Flaschen haben. Sie gehören – in kleinen Mengen – in die Restmülltonne. Das gilt auch für Porzellan, also zum Beispiel Tassen. Haben Sie größere Mengen an Geschirr zu entsorgen, wenden Sie sich an ihren örtlichen Wertstoffhof oder spenden Sie dieses.

Korken zu schade für den Restmüll

Naturkork ist ein wertvoller Rohstoff, der eine gute Klimabilanz hat. Gebrauchte Flaschenkorken sollten nicht im Restmüll landen, denn sie können beim Recycling zu Dämm-Material weiterverarbeitet werden. Die meisten Kommunen bieten spezielle Sammelstellen an. Sammeln Sie Ihre Korken am besten in einem luftdurchlässigen Behälter oder in einem Sack, denn es besteht Schimmelgefahr, wenn noch Feuchtigkeit in den Korken vorhanden ist. Mit einer Kork-Kampagne unterstützt der NABU Kranichschutzprojekte in Spanien. Nähere Informationen finden Sie hier.

Tipps zur Müllvermeidung und zum möglichst umweltverträglichen Einkauf:

Der Verbrauch von Verpackungsabfall hat in Deutschland 2017 laut Umweltbundesamt einen Höchststand erreicht (aktuellste Zahlen). Das liegt unter anderem daran, dass die Trends zu kleineren Portionen, Versandhandel und Außer-Haus-Verzehr anhalten.

  • Vermeiden Sie also bereits beim Einkaufen Müll. Kaufen Sie, wenn möglich, Lebensmittel möglichst unverpackt. Mittlerweile sind in vielen Supermärkten Mehrwegnetze für Obst und Gemüse erhältlich.
  • In vielen Geschäften oder Restaurants können Sie bereits Ihren Einkauf bzw. Ihr bestelltes Essen in selbst mitgebrachte Behälter füllen lassen.
  • Führen Sie am besten immer eine Stofftasche für geplante oder spontane Einkäufe mit sich.
  • Kaufen Sie Kosmetik und Pflegeprodukte ohne Mikroplastik oder zertifizierte Naturkosmetik. Einen Einkaufsratgeber zu diesen Produkten gibt es zum Beispiel beim Umweltbundesamt. Beim Einkauf helfen können auch Apps, zum Beispiel “Code Check” oder “Beat the Microbead”.
  • Vermeiden Sie Kaffeebecher und Geschirr aus Bambus, da diese gesundheitsschädlich sein können. Verwenden Sie stattdessen zum Beispiel Thermobecher aus Edelstahl. Nähere Infos gibt es bei der Verbraucherzentrale NRW.
  • Nutzen Sie Tausch- oder Verkaufsbörsen, um zum Beispiel nicht mehr benötigten Hausrat abzugeben oder zu tauschen.