13.07.2021. Vögel brüten in Hecken und Gehölzen. Wie Sie Vögel möglichst gut schützen können, erläutert Dr. Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern im Gespräch mit WiE. Lesen Sie auch Tipps für eine insektenfreundliche Balkonbegrünung.

Die Zahl der Insekten- und Vogelarten ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Die Liste der Ursachen ist lang: weniger Grünflächen durch eine rege Bautätigkeit insbesondere in Städten, ein hoher Versiegelungsgrad, Schottergärten, Rasen-Monokulturen und noch viele mehr.

Hecken- und Gehölzschnitt im Herbst oder Winter

Umso wichtiger ist es, das eigene Grün an Haus oder Wohnung zu erhalten. Dabei spielt der Schutz von Vögeln, die im Frühjahr und Sommer ihren Nachwuchs ausbrüten und aufziehen, eine wichtige Rolle. Viele wissen es bereits: Beim Schnitt von Gehölzen und Hecken sollten Sie die Schonzeit, die im Bundesnaturschutzgesetz festgelegt ist (§ 39) – vom 1.3. bis 30.9. – unbedingt einhalten.

In diesem Zeitraum ist es verboten, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen („Radikalschnitt“). „Leider halten sich in der Praxis unserer Erfahrung nach Wohnungs- und Hauseigentümer*innen häufig nicht daran“, sagt Dr. Sophia Engel, Ornithologin beim Landesvogelschutzbund München. Das liege auch daran, dass der Paragraph sehr weich formuliert sei, indem er nämlich „Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen“ erlaube, so Dr. Sophia Engel weiter. Außerdem gelten die Vorschriften des § 39 nicht für den Schnitt von Bäumen auf gärtnerisch genutzten Grundflächen.

Nester in Ruhe lassen

Möchten Sie in der Schonzeit dennoch Pflanzen schneiden, dann sollten Sie vorher immer schauen, ob Sie Im Gehölz oder in der Hecke ein Vogelnest entdecken, appelliert Dr. Engel – allerdings sind Nester häufig kaum zu sehen, da sie ja extra möglichst unsichtbar von den Tieren angelegt werden. „Wenn Sie ein Nest entdeckt haben, dann verzichten Sie auf das Schneiden“, sagt die Expertin. Denn auf gar keinen Fall dürfen Sie Nester freistellen oder anderweitig zerstören oder beschädigen (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz). „Lassen Sie das Nest in Ruhe und gehen Sie möglichst nicht mehr hin, damit die Vögel beim Brüten oder Aufziehen ihrer Jungen nicht weiter gestört werden“, informiert Sophia Engel. Im schlimmsten Fall kann es nämlich passieren, dass die Vogeleltern das Nest aufgeben – etwa weil sie ihren Nachwuchs durch Menschen bedroht sehen. Dann sterben die Jungvögel in der Regel, es sei denn ein Mensch zieht sie auf. Das sei allerdings sehr viel Arbeit und man sollte sich vorher gründlich informieren, rät die Ornithologin.

Amseljunge im Nest
©NABU/Sabine Teufl

Vielfältige Balkonbepflanzung ist einfach

Nicht nur Vogelarten sind bedroht, sondern auch Insektenarten verschwinden angesichts der oben genannten Probleme bzw. werden seltener. Um gegenzusteuern, kann jede Einzelne etwas tun: Den Balkon möglichst naturnah und vielseitig zu begrünen, ist ganz einfach.

Dr. Sophia Engel empfiehlt, für die Bepflanzung insektenfreundliche Blumen zu wählen - Blumen mit ungefüllten Blüten, etwa Margeriten und Glockenblumen. Blumen, deren Blüten hingegen gefüllt sind (wie z.B. bei den meisten Pfingstrosen-Sorten) sind zwar schön anzusehen, bieten den Bestäubern aber nur wenig Nektar und Pollen, der zudem schwer zu erreichen ist. „Auf dem Balkon können Sie ohne viel Aufwand eine kleine Naturparadies schaffen, indem Sie zum Beispiel einen großen Kübel mit heimischen Wildstauden und -blumen, wie Akeleien und Wiesensalbei, bepflanzen“, so Engel. Heimische Wildstauden sind winterhart und somit nachhaltig, da sie nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden müssen.

Grundsätzlich sollte man – wenn möglich – Bio-Pflanzen wählen. Denn die „normalen“ Pflanzen seien oft mit Insektiziden behandelt; statt Biene, Hummel & Co. zu fördern, können sie den Bestäubern noch lange nach der Pflanzung schaden.

    Wildpflanzen-Balkon: Best-Practice-Beispiel
    ©Katharina Heuberger

    Kühles Nass für Vögel und Insekten

    Wenn es heiß ist, freuen sich Vögel über eine Schale mit Wasser als Vogeltränke (diese möglichst an einem erhöhten Standort aufstellen). Diese sollten Sie täglich säubern und das Wasser wechseln. Auch Insekten freuen sich über eine Erfrischung an warmen Tagen – nehmen Sie am besten einen Unterteller und legen einige Steine hinein, damit die Insekten auch wirklich trinken können und nicht stattdessen ertrinken.

    Weitere Hinweise:

    • Informationen zur Schonzeit finden Sie u.a. beim Bundesamt für Naturschutz.
    • Konkrete Tipps für die Begrünung von Balkonen, u.a. Pflanzlisten und Infos zu Nisthilfen, finden Sie u.a in der Broschüre des LBV München „Natur auf dem Balkon“ und in dem Online-Magazin "Wilder Meter" für insektenfreundliche Balkone.
    • Ihre Wohnungseigentümergemeinschaft sollte darauf achten, dass bei der Beauftragung von Dienstleistern mit Gartenarbeiten (siehe auch Interview zur Gartenpflege) die oben genannte Schonzeit berücksichtigt und Schnittarbeiten möglichst im Zeitraum vom 1.10. bis 28.2. durchgeführt werden. Allerdings müssen Sie sich im Winter vor dem Durchführen von Schnittarbeiten versichern, dass dort keine wild lebenden Tiere überwintern.
    • Entfernen Sie im Herbst nicht das komplette Laub, sondern legen Sie kleine Haufen an (zum Beispiel indem Sie das Laub unter Büschen verteilen). Hier können Tiere im Winter Unterschlupf finden. Auch Ihr Komposthaufen kann ein guter Ort zum Überwintern sein.
    • Nicht nur Hecken, auch hohle Bäume und Fassadenbegrünungen bieten Vögeln Nistgelegenheiten. Auch mit künstlichen Nisthilfen (Brutkästen) können Sie die Vögel unterstützen.