09.05.2022. Nach den Plänen der Regierungskoalition soll bereits ab 01.01.2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Gasheizungen werden damit schon jetzt zu Auslaufmodellen. Stattdessen werden Wärmepumpen als umweltfreundliche Alternative beworben. Welche Punkte Sie bedenken sollten, wenn Sie über den Einbau einer Wärmepumpe nachdenken, lesen Sie im Folgenden.

Die Vorgabe, ab Anfang 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien zu betreiben, soll im Gebäudeenergiegesetz festgeschrieben werden. Der Bundestag muss dies allerdings erst noch beschließen.

Um die Klimaziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung bei der Heizungstechnologie vor allem auf Wärmepumpen. Sie nutzen Erdwärme, Grundwasser oder Umgebungsluft als Wärmequelle. Bis 2030 sollen in Deutschland sechs Millionen Wärmepumpen installiert sein. Dem Zentralverband „Sanitär Heizung Klima“ zufolge ist es allerdings fraglich, ob dieses Ziel angesichts des herrschenden Fachkräftemangels erreicht werden könne.

Voraussetzungen für die Wärmepumpe

Längst nicht alle Gebäude sind für eine Wärmepumpe geeignet. Während der Einbau in Neubauten in der Regel kein Problem darstellt, ist das in älteren Gebäuden nicht immer der Fall. Nur wenn ein Haus über einen guten Wärmeschutz (gute Dämmung, moderne Fenster) und über eine Flächenheizung, z.B. Fußbodenheizung, verfügt, können Wärmepumpen in der Regel sparsam arbeiten. Andernfalls wäre der Strombedarf für den Betrieb der Pumpe enorm.

Beratungsgespräch zur Wärmepumpe
Zukunft Altbau

Folgende Punkte sollten Sie unter anderem bedenken, wenn Sie über den Einbau einer Wärmepumpe nachdenken:

Gebäude-Check: Klären Sie zunächst, ob Ihr Gebäude die beiden Voraussetzungen für den Einbau einer Wärmepumpe (siehe oben) erfüllt. Ist dies nicht der Fall, kann der Sanierungszustand des Gebäudes durch eine nachträgliche Fassadendämmung, einen Fenstertausch oder den Tausch einzelner Heizkörper angehoben werden (Quelle: Verbraucherzentrale). Lassen Sie sich zur Energiebilanz Ihres Gebäudes und zu Heizleistung, die benötigt wird, sowie zu möglichen Sanierungsmaßnahmen ausführlich und unabhängig beraten, auch um zu wissen, welche Kosten auf Sie zukommen würden. Wenn Sie zu diesen Fragen eine Energieberatung in Anspruch nehmen, werden die Beratungskosten unter bestimmten Voraussetzungen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bezuschusst.

Kalkulation der Kosten: Der Einbau einer Wärmepumpe kann recht teuer sein. Nach Medienberichten sind aufgrund der hohen Nachfrage in den vergangenen Monaten die Materialkosten sowie die Kosten für den Einbau (Handwerkerkosten) bereits deutlich gestiegen. Für ein DreifamilienHaus muss man für eine Luftwärmepumpe mit ca. 30.000 bis 35.000 Euro rechnen, für eine Erdwärmepumpe mit ca. 45.000 Euro, abzüglich der staatlichen Förderung (siehe weiter unten). Berücksichtigen Sie neben den Installationskosten auch die Kosten für den Betrieb der Wärmepumpe (Stromkosten). Sie können einen Teil des benötigten Stroms auch mit Solarstrom aus einer PV-Anlage abdecken.

Schallschutz: Bei der Planung ist auch ein Schallschutz mit zu berücksichtigen, denn beim Betrieb der Pumpe entstehen Geräusche, die häufig als störend empfunden werden.

Mögliche Wartezeiten: Angesichts Materialengpässen, der Arbeitsauslastung im Handwerk und des Fachkräftemangels müssen Sie sich ggf. auf lange Wartezeiten einstellen.

Förderung: Wärmepumpen werden über das Bundesprogramm für effiziente Gebäude gefördert (bis zu 45 Prozent der Kosten). Informieren Sie sich darüber hinaus auch über Fördermöglichkeiten der Bundesländer und Kommunen, zum Beispiel mithilfe eines Fördermittelchecks.

Mögliche Alternativen?

Wenn Sie über einen Heizungstausch nachdenken, sollten Sie sich zunächst gründlich informieren und unabhängig beraten lassen, auch über mögliche andere Heizungstechnologien (z.B. Pelletheizungen, Fernwärme). Lesen Sie hierzu gerne ein Interview mit Energieberater Stephan Herpertz.

Hintergrund:

Bereits seit längerem machen sich viele Haus- und Wohnungseigentümer*innen Gedanken darüber, wie sie unabhängig von Öl und Gas heizen können und welche Möglichkeiten es gibt. Bereits im vergangenen Jahr hatten viele Gasanbieter ihre Preise deutlich erhöht. Hinzu kommt die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe, die das Heizen teurer macht und die in den kommenden Jahren weiter steigen wird (mehr dazu hier).

Weitere Informationen:

  • Die Verbraucherzentrale NRW bietet auf ihrer Website Fragen und Antworten rund um Wärmepumpen, Planungshinweise und Informationen zu möglichen Kosten.
  • Experten-Tipps zu Wärmepumpen und zum Thema Heizen lesen Sie hier.
  • Informationen zu Wärmepumpen im Bestand bietet der Forschungsblog des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme.
  • WiE bietet einen Sanierungsfahrplan für WEGs, den Sie sich hier kostenfrei herunterladen können.
  • Nutzen Sie als Mitglied gerne unsere kostenfreien telefonischen Auskünfte in Rechts- oder Baufragen.