26.03.2019. Der Winter kann Schäden auf Terrasse und Balkon verursachen, die schnell repariert werden sollten. Was zu tun ist und worauf Eigentümer besonders achten müssen, erklärt Diplom-Ingenieur Uwe Nieländer-Yarwood aus Bonn-Bad Godesberg im Interview. Er ist als Architekt, Energieberater und Sachverständiger für die Wertermittlung von bebauten und unbebauten Grundstücken tätig. Mitgliedern von Wohnen im Eigentum steht er als Bauberater zur Seite.

WiE: Was sollten Eigentümer vor Beginn der Saison tun?

Uwe Nieländer-Yarwood: Wer einen Balkon hat, sollte nach dem Winter überprüfen, ob der Frost Schäden daran hinterlassen hat. Am wichtigsten ist es aus meiner Sicht, zu überprüfen, ob der Anschluss an die Wand noch intakt ist. Denn bei der Abdichtung werden dauerelastische Materialien verwendet. Mit den Jahren diffundiert der Weichmacher aus dem Material. Dadurch wird es spröde und haftet nicht mehr an der Wand. Das ist ein großes Problem, weil dadurch Wasser in die Wand dringen kann. Das kann Schimmel verursachen. Wenn sich das Material von der Wand löst, sollte man daher einen Dachdecker mit der Reparatur beauftragen.

WiE: Worauf müssen Balkonbesitzer noch achten?

Uwe Nieländer-Yarwood: Als nächstes sollten sie den Putz und die Fliesen auf Risse oder Abplatzungen überprüfen. Durch entstandene Risse oder Fugen könnte Wasser eindringen, das sich beim nächsten Frost ausdehnen kann und noch mehr Schaden verursacht. Weil nicht alle Schäden sichtbar sind, rate ich dazu, bei der Inspektion der Fliesen zum Beispiel mit einem Besenstiel leicht auf die Fliesen zu klopfen. Ist unter einer Fliese ein Hohlraum, ergibt das einen dumpfen Ton. Intakte Fliesen klingen dagegen hell.

WiE: Wenn Eigentümer Schäden finden, könnten sie diese selbst reparieren?

Uwe Nieländer-Yarwood: Davon rate ich ab. Mit der Reparatur von Fliesen würde ich einen Fliesenleger beauftragen und bei Rissen im Mauerwerksputz einen Mauer. Es ist zum Beispiel wichtig, unterschiedliche Putzarten nicht zu mischen, da sich unterschiedliche Putze zum Beispiel unterschiedlich ausdehnen. Welcher Putz an seiner Wand verwendet wurde, kann ein Laie in der Regel nicht beurteilen. Ein Maurer wird den losen Putz auch zunächst abschlagen und nachsehen, ob die Wand feucht ist. Diese muss dann eventuell erst trocknen, bevor man sie neu verputzt.

WiE: Lassen sich denn zumindest gesprungene Fliesen einzeln ersetzen?

Uwe Nieländer-Yarwood: Das Problem ist, dass sich nicht vorhersagen lässt, ob die Feuchtigkeit vielleicht bereits unter die anderen Fliesen gedrungen ist. Es wird daher schwer werden, einen Fliesenleger zu finden, der dieses Risiko eingeht. Was sich aber eventuell einzeln ersetzen lässt, ist Fugenmörtel, der von einer Fliese abgerissen ist. Dieser ließe sich auskratzen, und dann kann die Fliese neu verfugt werden. Bei Unsicherheit aber lieber immer den Fachmann fragen.

WiE: Gibt es auch Arbeiten, die Eigentümer selbst erledigen können?

Uwe Nieländer-Yarwood: Ja, wer handwerklich begabt und geübt ist, kann die Silikondichtungen an der Balkontür selbst ersetzen. Wenn diese sich verfärben, sind die Fungizide ausgewaschen und Schimmel breitet sich aus. Dann müsste die Abdichtung rausgeschnitten, gesäubert und neu abgedichtet werden. Dabei ist es wichtig, die gesamte Abdichtung zu erneuern. Einzelne Stellen zu reparieren funktioniert nicht. Auch muss darauf geachtet werden, dass die Feuchtedichtung innen intakt ist. Hier gilt das Prinzip: Innen dichter als Außen!

WiE: Was muss noch überprüft werden?

Uwe Nieländer-Yarwood: Ich würde an Geländern mit Schraubverbindungen einmal rütteln, um herauszufinden, ob die Verbindungen sich gelöst haben. Dabei aber vorsichtig sein und die Eigensicherung beachten! Lackierte Geländer sollten auf Rost überprüft werden. Leichten Rost können Heimwerker auch selbst beseitigen. Einmal abschleifen, neu grundieren, dann mit Zinkfarbe streichen und anschließend lackieren. Bei stärkerer Rostentwicklung sollte die Festigkeit der Geländer vom Fachmann überprüft werden. Außerdem sollten Eigentümer die Bodenabläufe testen: einfach mit der Gießkanne einige Liter Wasser in den Abfluss gießen und überprüfen, ob Abfluss und Rohrleitung nicht verstopft sind. Gibt es Rückstände, müssen Abläufe gesäubert werden. Auch die Dachrinnen müssen übrigens kontrolliert und ggf. gesäubert werden. Oft verstopfen Blätter die Rinnen.

WiE: Wie sieht es auf der Terrasse aus, worauf müssen Eigentümer dort achten?

Uwe Nieländer-Yarwood: Gibt es einen Holzbelag, dann sollte dieser gereinigt werden. Das gilt für Balkone und Terrassen. In den Fugen sammelt sich Schmutz, oft wächst Moos darin. Wird das nicht entfernt, fault das Holz schneller. Gibt es Terrassenplatten, sollten Eigentümer überprüfen, ob diese fest sind. Sonst könnte jemand darüber stolpern. Wackelnde Terrassenplatten können Heimwerker auch selbst neu verlegen. Einfach neuen Sand unter die Platte füllen, dann die Platten darauflegen und leicht festklopfen, vorausgesetzt der Untergrund beziehungsweise die Tragschicht ist an sich noch intakt. Dabei ist es allerdings sehr wichtig, auf das richtige Gefälle zu achten. Die Platten sollen nicht etwa waagerecht sein, sondern ein Gefälle von 1,5 bis 2 Prozent aufweisen. Dieses muss das Regenwasser vom Haus weg leiten.