Wohnen im Eigentum warnt davor, dass die geplanten Änderungen im Gebäudemodernisierungsrecht private Eigentümer:innen zunehmend unter Druck setzen und den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt weiter destabilisieren könnten. Während politisch von „Technologieoffenheit“ die Rede ist, entsteht in der Praxis ein wachsender Zwang zu kostspieligen Investitionen – zulasten derjenigen, die einen Großteil des Mietwohnungsangebots tragen. Insbesondere die von der Koalition vereinbarte Beteiligung an den Energiekosten beim Einbau fossiler Heizsysteme belastet vor allem private Kleinvermietende überproportional.
Der Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum (WiE) sieht die geplanten Änderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz kritisch. „Die Koalition handelt widersprüchlich, wenn sie einerseits nicht in den Heizungskeller hineinregieren und Technologieoffenheit ermöglichen will, andererseits aber eine Biotreppe für fossile Brennstoffe vorgibt“, sagt Dr. Sandra von Möller, Vorständin von WiE. Zudem sei unklar, wie genau diese Biotreppe ausgestaltet wird. „Möglicherweise bedeutet dies sogar eine Verschlechterung zur 65-Prozent-Regel“, so von Möller.
Indirekter Investitionsdruck überfordert kleine Vermieter:innen
Die geplante stärkere Beteiligung von Vermietenden an den Energiekosten fossiler Heizsysteme verlagert aus Sicht von WiE wirtschaftliche Risiken zunehmend auf private Eigentümer. Gleichzeitig werden fossile Technologien politisch schrittweise unattraktiv gemacht, ohne dass für alle Bestandssituationen verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Alternativen gewährleistet sind. Das führt zu einem indirekten Investitionsdruck, der insbesondere kleinere Vermieter:innen überfordert. Dass sie künftig immer stärker auch die finanziellen Folgen politischer Steuerung im Energiesektor tragen müssen, indem sie an den Energiekosten der Mieter:innen beteiligt werden, lehnt WiE daher entschieden ab.
„Wir befürchten einen Rückzug privater Anbieter – mit spürbaren Folgen für das ohnehin knappe Wohnungsangebot“, sagt WiE-Vorständin Dr. Sandra von Möller, „denn private Vermieter stellen mit 64,4 Prozent des Mietwohnungsbestands einen wesentlichen Teil des Mietwohnungsangebots in Deutschland bereit“. Die Folge: Wohnungen werden verkauft, Investitionen verschoben oder ganz unterlassen. Das Ergebnis ist kein zusätzlicher Wohnraum, sondern eine weitere Verknappung – mit steigenden Mieten und wachsender Unsicherheit für Mieter:innen.
„Die geplanten Einschränkungen werden trotz der Nachbesserungen dazu führen, dass sich die Vermietung für diese Gruppe wirtschaftlich zunehmend weniger lohnt“, so von Möller. Dies sei auch mit Blick auf die finanzielle Absicherung vieler Eigentümer:innen von Bedeutung. „Die vermietete Immobilie ist für viele ein zentraler Baustein der privaten Altersvorsorge.“
Hinweis: Mittlerweile befindet sich der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, zur Änderung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes und zur Änderung weiterer Vorschriften im Wärmebereich im parlamentarischen Verfahren.
Über Wohnen im Eigentum
Wohnen im Eigentum (WiE) ist ein bundesweiter Verbraucherschutzverband mit über 16.000 Mitgliedern und Sitz in Bonn. Der Verband tritt für die Interessen und Rechte von privaten Immobilieneigentümer:innen, insbesondere von Wohnungseigentümer:innen und Wohnungseigentümergemeinschaften ein. WiE fordert mehr Verbraucherschutz und Markttransparenz in der Bau- und Immobilienbranche. Seine Mitglieder unterstützt WiE mit kostenfreien Rechts-, Energie- und Bauberatungen sowie mit umfangreichen Informationsveranstaltungen, Ratgebern und Arbeitsmaterialien. WiE ist parteipolitisch neutral, unabhängig und Mitglied im Verbraucherzentrale Bundesverband. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Verbands unter www.wohnen-im-eigentum.de.