Abwasserleitungen

Dichteprüfung von Abwasserleitungen ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt

 

Haus- und Wohnungseigentümer müssen nach § 61 des Wasserhaushaltsgesetzes den Zustand und die Funktion der Abwasserleitung überprüfen, sprich dafür sorgen, dass die Leitungen dicht sind. Schätzungen zufolge sind jedoch 30 bis 80 Prozent der privaten Abwasserleitungen in Deutschland schadhaft. Abwasser, das aus undichten Leitungen austritt, verschmutzt Grundwasser und Boden. Umgekehrt belastet Grundwasser, das in defekte Abwasserleitungen eindringt, die öffentlichen Kanalnetze und Kläranlagen über Gebühr. Nicht zuletzt steigt bei starken Regenfällen das Risiko eines Rückstaus im Keller.

 

Bislang bestimmte die DIN Norm 1986-30 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke (Teil 30 Instandhaltung)“, dass die Leitungen bis spätestens 31. Dezember 2015 überprüft werden müssen. Diese Frist wurde in der aktuellen Fassung der Norm gestrichen und durch eine Zeitspannenregelung ersetzt. Eine bundesweite Regelung zur Dichtheitsprüfung privater Kanalhausanschlüsse gibt es nicht. Über den Umfang der Überprüfung und die Sanierungsfristen entscheiden in Deutschland die Bundesländer – und zwar sehr unterschiedlich. Teilweise legen sogar einzelne Kommunen fest, welche Kanäle wie oft geprüft werden müssen. Deshalb sollten sich Haus- und Wohnungseigentümer bei Ihren Kommunen informieren.

 

So besteht beispielsweise in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland für Hausanschlüsse mit einer Kapazität unter 8m³ täglich keine Pflicht zur Dichtheitsprüfung. In Hamburg müssen häusliche Abwasserleitungen, die in Wasserschutzgebieten liegen, dagegen umgehend überprüft werden, danach alle zehn Jahren.

 

In NRW sind Fristen zu beachten – in Wasserschutzgebieten bis 2015

In Nordrhein-Westfalen bleibt Eigentümern in Wasserschutzgebieten mit der Dichtheitsprüfung noch Zeit bis zum 31. Dezember 2015, wenn die Abwasserleitungen vor 1965 errichtet wurden. Nach 1965 angelegte private Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten müssen bis zum 31. Dezember 2020 überprüft werden. Für private Abwasserleitungen außerhalb von Wasserschutzgebieten gibt es in NRW keine landesrechtlichen Vorgaben. Die Kommunen können aber andere Fristen zur erstmaligen Prüfung setzen oder auch außerhalb von Wasserschutzgebieten Dichtheitsprüfungen vorschreiben. Ob das eigene Haus in einem Wasserschutzgebiet liegt, erfahren Eigentümer aus NRW unter www.vz-nrw.de/kanal siehe „Bin ich betroffen?“

 

Die Dichtheit kann mit Wasser- oder Luftdruck getestet oder mit einer Kanal-TV-Kamera inspiziert werden. Die Überprüfung muss durch anerkannte Sachkundige erfolgen. Werden große Schäden festgestellt, müssen Haus- und Wohnungseigentümer in NRW diese kurzfristig sanieren lassen. Bei mittleren Schäden haben sie zehn Jahre Zeit. Bei geringen Schäden ist keine Sanierung vorgeschrieben. Grund zur Eile besteht also in der Regel nicht. wohnen im eigentum empfiehlt betroffenen Haus- und Wohnungseigentümern, die Beratung und umfangreichen Informationen der Verbraucherzentrale NRW zu nutzen, siehe  www.vz-nrw.de/kanal.

 

Weitere Informationen zu gesetzlichen Regelungen in den Bundesländern in unserem Nachrichtenarchiv.

 

(Stand: 19.12.2014)