Barrierefreiheit

Förderung für barrierefreien Wohnraum

 

Die Zahl der alten Menschen steigt. 2030 wird fast jede/r Dritte älter als 65 sein, im Jahr 2050 jede/r Siebte älter als 80 Jahre. Die meisten Menschen möchten so lange wie möglich in ihrem eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung bleiben. Nach der Studie "Wohnen im Alter" des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe (KDA) haben 90 % aller Haushalte mit Menschen über 65 Jahren Barrieren in ihren Wohnungen. Nur rund 700.000 Wohnungen – etwa zwei Prozent aller Wohnungen sind altersgerecht. Bis 2030 werden fast drei Millionen weitere barrierearme Wohnungen benötigt.

Wie das Baurecht ist auch das barrierefreie Bauen in Deutschland im Wesentlichen Ländersache. Die Landesbauordnungen enthalten maßgebliche Regelungen. Richtschnur ist in (fast) allen Ländern die >> DIN 18040-2. Bund- und Länder fördern Bau- und Umbaumaßnahmen mit Zuschüssen und zinsvergünstigte Krediten - siehe folgende Zusammenstellung von Wohnen im Eigentum (WiE).

Tipp: Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs [ PDF | 16,4 KB ] vom 22.10.2009 (Az. VIR 7/09) kann der unumgängliche, behindertengerechte Umbau eines Wohnhauses vollständig als außergewöhnliche Belastung beim Finanzamt geltend gemacht werden.

 

KfW-Förderung: Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“

 

Mit zinsgünstigen, langfristigen Krediten finanziert die KfW Maßnahmen, die Barrieren im Wohnungsbestand reduzieren, den Wohnkomfort und die Sicherheit erhöhen. Auch der Kauf von altersgerecht umgebauten Häusern oder Wohnungen wird gefördert. Je Wohneinheit gibt es – unabhängig vom Alter – Kredite bis 50.000 Euro. Antragsberechtigt sind

  • Privatpersonen (auch Mieter), Wohnungseigentümergemeinschaften, Wohnungsunternehmen, Wohnungsgenossenschaften, Bauträger, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts sowie Contracting-Geber (Investoren), die Maßnahmen planen
  • Käufer von neuen barrierereduz,ierten Wohngebäuden oder Eigentumswohnungen innerhalb von zwölf Monaten nach Bauabnahme.

Besonderheit für WEGs

In Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) können

  • mehrere Eigentümer den Kredit im Namen der WEG gemeinsam beantragen,
  • alle Eigentümer den Kreditantrag Antrag für sich stellen.

Gefördert werden natürliche und juristische Personen, die ihren Miteigentumsanteil selbst nutzen oder vermieten. Bei Maßnahmen am Gemeinschaftseigentum richtet sich die Förderung der einzelnen Eigentümer nach ihrem Anteil am Eigentum. Kosten, die ausschließlich den einzelnen Eigentümer betreffen, können vollständig vom jeweiligen Eigentümer geltend gemacht werden. 

>> Merkblatt Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“

 

KfW-Förderung: Investitionszuschuss 455 „Altersgerecht umbauen“

 

Seit 1. Oktober 2014 gibt es für den barrierereduzierten Umbau oder den Kauf von altersgerechten Wohnungen Zuschüsse von bis zu 6.250 Euro je Wohneinheit. Gefördert werden unabhängig vom Alter

  • Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern mit maximal mit Wohneinheiten,
  • Wohnungseigentümer,
  • Erstkäufereines sanierten Ein- oder Zweifamilienhauses oder einer sanierten Wohnung,
  • Wohnungseigentümergemeinschaften aus Privatpersonen oder
  • Mieter, die mit Zustimmung des Vermieters Umbaumaßnahmen planen.

Vom Zuschussprogramm profitieren insbesondere selbstnutzende Eigentümer, die wegen ihres Alters keine Darlehen erhalten oder beantragen möchten. Die Höhe des Zuschusses beträgt bei Maßnahmen zum Standard „Altersgerechtes Haus“ 10 % der förderfähigen Kosten – bis zu 5.000 Euro pro Wohneinheit. Bei Einzelmaßnahmen sind es bis zu 4.000 Euro pro Wohneinheit – bis zu 8 % der förderfähigen Kosten.

>> Merkblatt Investitionszuschuss 455 „Altersgerecht umbauen“

 

Die Programme 159 und 455 fördern

  • Einzelmaßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit gemäß >> DIN 18040-2
  • Bau und Umbaumaßnahmen zum Standard „Altersgerechtes Haus“
  • Umwidmung von Nicht-Wohngebäuden (z. B. Gewerbeflächen)
  • Kauf von barrierearm saniertem Wohnraum (wenn Kosten der Maßnahmen im Kaufvertrag gesondert ausgewiesen sind)
  • Kosten für  fachgerechte Ausführung  (von der Fachberatung durch Experten oder Sachverständige bis hin zu nachbereitenden Maßnahmen und Wiederherstellungsarbeiten)
  • Zu den förderfähigen Einzelmaßnahmen gehören laut KfW:
  • Wege zu Gebäuden und Wohnumfeldmaßnahmen,
  • Eingangsbereich und Wohnungszugang,
  • Überwindung von Treppen und Stufen (Aufzug, Lift),
  • Umgestaltung der Raumaufteilung und Schwellenabbau,
  • Maßnahmen in Bad und Toiletten,
  • Bedienelemente und Hilfssysteme,
  • Schaffung von Gemeinschaftsräumen, Unterstützung des Mehrgenerationenwohnens.
  • Auch alle Kosten, die für die fachgerechte Ausführung dieser Maßnahmen erforderlich sind, können gefördert werden, z. B.
  • Fachberatung durch Experten oder Sachverständige für den Umbau
  • Durchführung der geplanten Maßnahmen durch Fachunternehmen
  • notwendige vorbereitende Arbeiten
  • nachbereitende Maßnahmen und Wiederherstellungsarbeiten

Beide Programme können mit anderen Programmen kombiniert werden.

Nicht gefördert werden Maßnahmen für:

  • Ferienhäuser und -wohnungen,
  • gewerblich genutzte Flächen,
  • Pflege- und Altenwohnheime sowie
  • Umschuldungen bestehender DarlehenNachfinanzierungen bereits begonnener oder abgeschlossener Vorhaben.

 

Landeseigene Förderprogramme

 

Neben dem Bund (KfW-Bank) vergeben auch die Bundesländer Zuschüsse oder Darlehen für Umbaumaßnahmen zur Barrierefreiheit. So fördert z.B. die Bremer Aufbau-Bank über den "Kredit für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG): klimafreundlich und altersgerecht wohnen" auch Modernisierungen oder Umbaumaßnahmen, die Barrieren verringern. In Nordrhein-Westfalen vergibt die NRW-Bank zinsgünstige Darlehen von maximal 25.000 Euro für den Abbau von Barrieren im Wohnungsbestand. Die Maßnahmen in und an bestehenden Wohngebäuden und auf dem zugehörigen Grundstück sollen beitragen, die Barrierefreiheit im Sinne der DIN 18040 Teil 2 "Wohnungen" herzustellen. Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz vergibt an Eigentümer selbst genutzter Wohnungen Darlehen für bauliche Maßnahmen, die barrierefreies Wohnen ermöglichen. Das Darlehen beträgt für einen 4-Personenhaushalt max. 60.000 Euro, für jedes weitere Haushaltsmitglied kann es um 5.000 Euro erhöht werden. In Brandenburg gibt es Zuschüsse zur behindertengerechten Anpassung von vorhandenem Wohnraum. Hamburg fördert die barrierefreie Umgestaltung mit Zuschüssen bis zu 15.000 Euro pro Wohnung, wenn ein bestimmtes Einkommen nicht überschritten wird.

Einen speziellen Förderrechner finden Sie hier.
Einen nützlichen Überblick über Förderprogramme und vieles andere bietet der Ratgeber „Förderprogramme für Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit“, erarbeitet von Dr. Roland Zimmermann im Auftrag des  BKB Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit e.V.

 

Zuschüsse der Pflegekassen

 

Die Pflegekassen zahlen Pflegebedürftigen aller Pflegestufen Zuschüsse bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme, um das individuelle Wohnumfeld zu verbessern (bislang maximal (bislang maximal 2.557 Euro). Leben mehrere Anspruchsberechtigte zusammen, erhalten sie jetzt bis zu 16.000 Euro (bisher max. 10.228 Euro). Finanziert werden Maßnahmen, die der selbstständigen Lebensführung dienen, die Pflege erst ermöglichen oder erheblich erleichtern – z.B. Türverbreiterungen, Rampen, Maßnahmen im Sanitärbereich, Umzug wegen Pflegebedürftigkeit etc.). Die Pflegebedürftigen müssen keinen Eigenanteil zahlen. Wird nicht alles Geld für eine Maßnahme verbraucht, kann der Rest für andere Anpassungen verwendet werden.
 

>> Weitere Informationen

 

Förderung der gesetzlichen Krankenversicherung

 

Auch die gesetzliche Krankenversicherung und die Sozialämter fördern Umbaumaßnahmen und Hilfsmittel, die es älteren, kranken und behinderten Menschen ermöglichen, selbstbestimmt in den eigenen Wänden zu leben.
>> Überblick über Maßnahmen und mögliche Kostenträger

 

Weitere Förderstellen:

 

  • Sozialämter der Kommunen
  • Wohnungsbauförderungsstellen
  • Ämter für Wohnungswesen der Kommunen
  • Berufsgenossenschaften bzw. Unfallversicherer
  • Agenturen für Arbeit

 

Quellen: www.kfw.de, www.pflege.de, www.barrierefreiheit.de, www.bmub.bund.de, www.nullbarriere.de

(Stand: 28.11.2016)