Energieausweis

Der Energieausweis für Wohngebäude

 

Ein Energieausweis ist für Neubauten vorgeschrieben, außerdem für bestehende Wohngebäude, wenn sie – oder einzelne Wohnungen in den Häusern – verkauft oder neu vermietet werden. Darüber hinaus müssen sich Hauseigentümer den Energieausweis aushändigen oder aktualisieren lassen, wenn ihr Haus nach den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) saniert oder modernisiert wird. Empfohlen wird der Energieausweis – und zwar der Bedarfsausweis (s. u.) – auch zur Entscheidungsfindung, wenn Eigentümer unschlüssig sind, ob sie eine energetische Modernisierung durchführen lassen sollen. Denn der Ausweis weist die energetischen Mängel aus und zeigt, mit welchen Maßnahmen die Energiebilanz verbessert werden kann. Alle Energieausweise haben eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren.

Keine Ausweispflicht besteht für Gebäude unter Denkmalschutz sowie für kleine Gebäude mit höchstens 50 Quadratmetern Nutzfläche.

Der Verkäufer muss den Energieausweis jedem Kauf- und Mietinteressenten spätestens bei der Besichtigung des Objekts zugänglich machen und Käufern oder Mietern bei Vertragschluss im Original oder als Kopie übergeben. Auf Verstöße steht Bußgeld bis 15.000 Euro.

Wer noch keinen Energieausweis hat, muss ihn vor Verkauf oder Neuvermietung anfertigen lassen. In Wohnungseigentumsanlagen hat der einzelne vermietende Eigentümer bei Verkauf oder Vermietung einen Anspruch gegen die Eigentümergemeinschaft auf rechtzeitige Erstellung des Ausweises. Für neu ausgestellte Energieausweise sind künftig behördliche Stichprobenkontrollen vorgeschrieben.

Zwei Arten von Energieausweis: Bedarfs- oder Verbrauchsausweis

Verbrauchsausweise werden auf Grundlage von Heizkostenabrechnungen erstellt. Dieser informiert über den Energieverbrauch des Gebäudes, gibt allerdings keine zuverlässige Auskunft über den energetischen Zustand des Gebäudes und differenziert auch nicht nach Verbrauch je Wohnung, Haushaltsgröße etc. Diese Variante ist kostengünstiger.

Bedarfsausweise sind teurer, sagen aber erheblich mehr über die energetische Qualität des Gebäudes aus. Ihre Angaben werden auf der Grundlage von Daten über die Gebäudehülle und die Anlagentechnik für Heizung und Warmwasser berechnet. Dazu führt der Energieberater in der Regel auch eine Vor-Ort-Begehung durch. Individuelle Faktoren wie Heiz- und Lüftungsverhalten der Bewohner sowie der konkrete Warmwasserverbrauch fließen lediglich als so genannte standardisierte Randbedingungen in die Berechnung mit ein. Der Ausweis enthält die Energiebedarfskennwerte des Gebäudes und dessen energetische Qualität, die unabhängig vom individuellen Energieverbrauchsverhalten der Bewohner beurteilt wird – trotzdem Rückschlüsse auf den zu erwartenden Energieverbrauch zulässt.

Der Bedarfsausweis ist für neue Gebäude sowie für Gebäude vorgeschrieben, die weniger als fünf Wohnungen haben und deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde. Freie Wahl zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis besteht für Gebäude mit mehr als fünf Wohnungen sowie für Gebäude, die durch Sanierungsmaßnahmen auf einen energetischen Stand gebracht worden sind, der mindestens dem Stand der ersten Wärmeschutzverordnung (1977) entspricht. Die Zahlen beider Ausweise sind nicht miteinander vergleichbar.
 

Wie sieht der Energieausweis aus?

Der Energieausweis für Wohngebäude ist ein mehrseitiges Musterformular in der Anlage 6 zur Energieeinsparverordnung. Auf dem Deckblatt werden neben einem Gebäudefoto einige Angaben zum Gebäude verlangt. Dann ist der Anlass der Ausstellung anzugeben, also ob es sich um einen Neubau handelt, eine Modernisierung durchgeführt oder das Gebäude verkauft oder vermietet werden soll. Hier ist auch anzukreuzen, ob es sich um einen Bedarfs- oder einen Verbrauchsausweis handelt. Die zweite Seite enthält dann die wichtigsten Kenngrößen des Bedarfsausweises, die dritte Seite die Angaben zum Verbrauchsausweis. Auf der vierten Seite werden die genannten Kenngrößen definiert und ihre Bedeutung erläutert. Schließlich kann der Energieausweis auch noch Modernisierungsempfehlungen enthalten.
 

Erläuterungen zu den Angaben im Bedarfsausweis

Im Bedarfsausweis (s. S. 2. des Energieausweises) findet sich eine mit einem Farbband visuell herausgehobene Gesamtbewertung des Gebäudes. Energieausweise, die ab 1. Mai 2014 ausgestellt werden, nennen für das Gebäude eine Energieeffiezienzklasse von A+ bis H – ähnlich wie bei Kühlschränken oder anderen Haushaltsgeräten

Zum Vergleich werden auf einem zusätzlichen Farbband die Werte (Endenergiebedarfswerte) anderer Durchschnittsgebäude (zum Beispiel Niedrigenergiehäuser oder ungedämmter Altbauten) angezeigt.

Die wichtigsten Kenngrößen des Ausweises sind der (Jahres-)Primärenergiebedarf und der Endenergiebedarf. Außerdem wird der Einsatz erneuerbarer Energien erfasst sowie die Art der Lüftung – ob mittels Lüftungsanlage oder per Hand. Pfeile auf dem Farbband weisen darauf hin, wo das Wohngebäude auf dem grün (besonders energiesparend) bis rot (hoher Energieverbrauch) unterlegten Farbband einzuordnen ist. Der obere Pfeil gibt den Endenergiebedarf an, der untere Pfeil den Primärenergiebedarf („die Gesamtenergieeffizienz“). 

Hinweis: Die Pfeile >> Niedrige Werte im grünen Bereich signalisieren einen geringen Energiebedarf, hohe Werte im roten Bereich einen hohen Energiebedarf. Zusätzlich soll hier eine Einteilung in Energieffizienzklassen von A+ bis H Orientierungshilfe geben – wie bei Elektrogeräten. Das alles soll als Grundlage für einen schnellen und vereinfachten Hausvergleich dienen.

Interessant ist auch der Transmissionswärmeverlust. Mit dieser Kenngröße wird die energetische Qualität der Gebäudehülle bewertet. Kleine Werte signalisieren einen guten baulichen Wärmeschutz. Liegt der Ist-Wert im Ausweis deutlich unter dem Anforderungswert, dann übertrifft das Gebäude die Vorgaben der EnEV, ist also energetisch besser als gesetzlich vorgeschrieben.

Tipp: Da der Energiebedarfsausweis ein wichtiges Instrument zur Beurteilung der energetischen Qualität eines Hauses ist, sollten Sie – auch beim Neubau - auf die möglichst frühzeitige Aushändigung des Ausweises, möglichst vor dem Abschluss des Kaufvertrages – bestehen. Dann können Sie verschiedene Wohnungsangebote miteinander vergleichen und Werbeaussagen über Niedrigenergie- und Passivhäuser überprüfen. Ansonsten wird der Ausweis in der Regel erst bei der Übergabe ausgehändigt.
 

Erläuterungen zu den Angaben im Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis (s. S. 3 des Energieausweises) enthält als wichtigste Angabe den Energieverbrauchskennwert, der ebenfalls auf einem Farbband dargestellt wird. Zeigt der Pfeil auf den grünen Bereich, so ist in dieser Wohnung ein geringer Energieverbrauch zu erwarten, zeigt er auf den roten Bereich, ist mit einem hohen Energieverbrauch zu rechnen. Auch bei Verbrauchsausweisen gibt es die Einteilung in Energieeffizienzklassen.

Der ausgewiesene Energieverbrauchskennwert wird für das Gebäude auf der Basis der Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre (gemäß Heizkostenverordnung) und auf Grund anderer geeigneter Verbrauchsdaten ermittelt. Zugrunde gelegt werden die Energieverbrauchsdaten des gesamten Gebäudes, nicht die Daten der einzelnen Wohnungen. Über Klimafaktoren wird der gemessene Energieverbrauch für die Heizung hinsichtlich der konkreten örtlichen Wetterdaten auf einen deutschlandweiten Mittelwert mit Klimafaktoren umgerechnet. So führt beispielsweise ein hoher Verbrauch in einem einzelnen harten Winter nicht zu einer schlechteren Beurteilung des Gebäudes. Ein niedriger Wert (grüner Bereich) auf dem Farbband signalisiert einen geringen Verbrauch. Zu beachten ist, dass der Energieverbrauchskennwert keine Hinweise zur energetischen Qualität der Gebäudehülle und seiner Heizungsanlage gibt.

Anzukreuzen ist weiter, ob im Energieverbrauchswert der Energieverbrauch für Warmwasser enthalten ist oder nicht. In einer weiteren Tabelle werden die Verbräuche für Heizung und Warmwasser mit verschiedenen Kenngrößen differenziert dargestellt. Ein Rückschluss auf den künftig zu erwartenden tatsächlichen Verbrauch je Wohnung ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Die Verbräuche einzelner Wohnungen können stark variieren, weil sie von der Lage der Wohnung im Gebäude, von der jeweiligen Nutzung und vom individuellen Verhalten der Bewohner abhängen. Diese Differenzierung wird im Energieverbrauchsausweis nicht vorgenommen.
 

Wer stellt den Energieausweis aus?

Berechtigt zur Ausgabe von Energieausweisen sind Architekten und Bauingenieure, aber auch Meister eines Handwerks wie Maler, Maurer, Dachdecker, Installateure und Schornsteinfeger mit einer entsprechenden Zusatzausbildung. Jeder Energieausweis hat auf der ersten Seite eine Registriernummer. Diese muss vom jeweiligen Aussteller angefordert werden und wird zugeteilt.  Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet eine Liste der Energieberater die Deutsche Energie-Agentur dena ein Gütesiegel für Energieausweise.
 

Was kostet der Ausweis?

Der Preis für den Energieausweis muss mit dem einzelnen Energieberater ausgehandelt werden. Verbrauchsorientierte Energieausweise gibt es bereits ab 10,00 Euro im Internet. Von diesen „Schnäppchen" ist allerdings abzuraten. Um eine seriöse Aussage treffen zu können, sollte ein Energieberater auf jeden Fall eine Hausbegehung vornehmen. Abhängig vom Aufwand berechnen Berater dabei für einen verbrauchsorientierten Ausweis teilweise unter 100,00 Euro, für einen bedarfsorientierten Ausweis ab 150,00 Euro. Das kann – abhängig von der Gebäudegröße – auch bis mehrere Hundert Euro gehen.

Foto Modernisierung Sanierung Wohnungseigentümergemeinschaft

Weitere Informationen

 

Ratgeber

Energiespar-Ratgeber
Checklisten und Berechnungshilfen zum Heizenergieverbrauch, zu Modernisierungsmaßnahmen und einen Fördermittel-Ratgeber
 

 

Informationsseiten

Energiesparverordnung 2014
>> auf den Seiten von wohnen im eigentum e. V.