Jetzt möglich: Geförderte Energieberatung und Baumaßnahmen aus einer Hand

Wohnen im Eigentum e.V. rät: Qualifikation und Interessen des Auftragnehmers genau prüfen!

1.12.2017. Ab dem heutigen Tag darf jeder qualifizierte Energieberater eine geförderte Energieberatung durchführen, auch wenn er die empfohlenen baulichen Maßnahmen dann selbst ausführt. Damit wird auf das personenbezogene Merkmal der Unabhängigkeit bei der Energieberatung verzichtet. Bisher durften nämlich nur solche Fachleute geförderte Energieberatungen durchführen, die kein wirtschaftliches Eigeninteresse an der Umsetzung von Energieeffizienz-Investitionen hatten. Das heißt für Sie als Hauseigentümer/in oder für Ihre Wohnungseigentümergemeinschaft: Wollen Sie einen entsprechend qualifizierten Handwerker oder Mitarbeiter Ihres Energieversorgungsunternehmens mit einer Energieberatung zur Sanierung Ihres Wohngebäudes betrauen, können Sie sich die Kosten hierfür jetzt auch dann fördern lassen, wenn Sie sein Unternehmen ebenfalls mit den vorgeschlagenen baulichen Maßnahmen beauftragen. 

Diese Änderung ergibt sich aus der Richtlinie über die Förderung der Energieberatung für Wohngebäude (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan) sowie der Richtlinie über die Förderung von Energieberatung im Mittelstand, beide vom 11.10.2017.

 

Neue Möglichkeit, neue Risiken

Mit der Erweiterung des Kreises der antragsberechtigten Energieberater setzt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine neue Förderstrategie um. Durch die Maßnahmen sollen mehr qualifizierte Fachleute Energieberatungen durchführen. Hintergrund sind die seit Jahren rückläufigen Zahlen der vom Bund geförderten Vor-Ort-Beratungen (Energieberatung).

Bitte beachten Sie: Wenn der von Ihnen gewählte Energieberater auch Ausführungsleistungen übernimmt, besteht das Risiko, dass er die Energieberatung zum Produktverkauf nutzt und Sie im schlimmsten Falle allein mit dem Ziel berät, einen Folgeauftrag für das eigene Handwerksunternehmen zu bekommen. Je weniger der Handwerker zur Energieberatung qualifiziert ist, umso geringer wird sein Interesse an diesem Thema sein.  Als Verbraucher sollten Sie sich daher jetzt noch genauer über die Qualifikation Ihres Energieberaters informieren und diese aktiv hinterfragen.

Ein erster Schritt hierzu kann z.B. ein Einblick in die sogenannte Energieeffizienz-Expertenliste (EEE) der Deutschen Energie-Agentur (DENA) sein, in der qualifizierte Energieberater gelistet werden. Fragen Sie auch nach Referenzobjekten, bei denen das von Ihnen ins Auge gefasste Handwerksunternehmen bereits eine Energieberatung ausgeführt hat. Haben Sie den Verdacht, dass das Ergebnis einer Energieberatung eine überdimensionierte oder gar verfehlte energetische Bauplanung und -ausführung zu Ihren Lasten ist, holen Sie vor der Auftragserteilung weiteren Rat ein.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine Verlängerung des Zeitraumes, der zur Durchführung der Energieberatung zur Verfügung steht (Bewilligungszeitraum) von bislang 6 auf nunmehr 9 Monate. Das heißt: Um den staatlichen Förderbetrag zu erhalten, dürfen Sie den Energieberatungsvertrag nicht unterzeichnen, bevor ein elektronischer Förderantrag über das Online-Portal des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt und bewilligt wurde - es sei denn, Sie machen in Ihrem Vertrag dessen Wirksamkeit ausdrücklich von der Förderzusage der Bewilligungsbehörde (BAFA) abhängig. Die bewilligte Beratung für Wohngebäude muss dann spätestens neun Monate nach Zugang des Zuwendungsbescheides beendet sein (Bewilligungszeitraum). In der Praxis sind gerade bei der Verwaltung einer WEG die längeren Zeiträume zur praktischen Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zu begrüßen.

 

Sanierungsfahrplan als Teilleistung förderfähig

Seit dem 1. Juli 2017 fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übrigens nicht nur Energetische Beratungen an sich, sondern auch das anschließende Aufstellen eines „Individuellen Sanierungsfahrplans für Wohngebäude“. Der Sanierungsfahrplan soll die Ergebnisse einer Energieberatung vor Ort in leicht verständlicher und anschaulicher Weise festhalten. Es sollen darin die einzelnen für die energetische Modernisierung vorgeschlagenen Maßnahmen dargestellt und erläutert werden.

 

Weitere Informationen

Zum Ablauf des Förderverfahrens informiert das BAFA.

Die Zuschüsse bei Wohngebäuden betragen 60 % der förderfähigen Beratungskosten, d.h. max. 800 € für Ein- oder Zweifamilienhäuser, 1.100 € für Mehrfamilienhäuser.

Extra-Tipp für WEGs: Geht es nach einer erfolgreichen Energieberatung darum, die notwendigen Baumaßnahmen zu beschließen und umzusetzen, hilft der WiE-Sanierungsfahrplan für Wohnungseigentümergemeinschaften, auch den schwierigen Weg der organisatorischen Umsetzung der gewünschten Energieeinsparmaßnahmen zu meistern: Kostenfreier pdf-Download hier.