Achtung, die WEGesetz-Reform tritt in großen Teilen am 1. Dezember 2020 in Kraft! Alle Inhalte beziehen sich hier noch auf die Rechtslage vor der Reform – wenn nicht anders vermerkt!

Veranstaltung des Berliner „Runden Tischs“ im Mai 2016

Wohnen im Eigentum eV. veranstaltet in Berlin wie in vielen andren Städten regelmäßige Treffen. Hier können sich Wohnungseigentümer und Verwaltungsbeiräte vernetzen und ihre Erfahrungen austauschen. Am 26. Mai organisierte die Berliner Runde ein Gespräch im Büro des Bundestagsabgeordneten für Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee, Klaus Mindrup (SPD). Die Veranstaltung wurde von unserem Berliner Mitglied Jens Fessel moderiert, der uns den folgenden Ergebnisbericht zugesandt hat. Herzlichen Dank dafür!

 


 

"Über 9 Millionen Eigentumswohnungen gibt es deutschlandweit. Die Zahl der selbstnutzenden Wohnungseigentümer nimmt immer mehr zu. Energetische Sanierung und Klimaschutz gewinnen in diesem Kontext immer mehr an Gewicht. Die praktische Umsetzung der energetischen Sanierung und die Probleme waren unter anderem Thema unseres Gesprächs mit Klaus Mintrop.

In der Kopenhagener Straße 76 waren wir mit dem Bundestagsabgeordneten verabredet. Unweit seines Wahlkreisbüros liegt das Haus Kopenhagener Straße 46. Das Beispiel hatte regional große Aufmerksamkeit erzeugt. Herr Mindrup beschrieb, wie hier energetische Sanierungsmaßnahmen angekündigt wurden, nur um über die Modernisierungsumlage das Haus zu entmieten. Die teuersten Maßnahmen wurden jedoch gar nicht ausgeführt und das Haus war dann fast leer.

Auch Wohnungseigentümer kann es treffen. Ein Bauträger hatte in einen Neubau vor dem Verkauf der Wohnungen ein Blockheizkraftwerk eingebaut, eigentlich eine moderne und effiziente Technik. Allerdings war dieses falsch dimensioniert und kann daher nicht kostendeckend betrieben werden. Mit dem Blockheizkraftwerk wurden aber theoretisch die Energiestandards der KfW erfüllt, egal, ob es betrieben wird oder nicht. Offensichtlich existieren keine Kontrollmechanismen der KfW gegenüber den Bauträgern nach der Ausreichung der Kredite.

Auch auf Probleme zu der WEG-Reform und den Sachkundennachweis für Verwalter ging Herr Mindrup an diesem Tag ein.

Im Rahmen des Gespräches wurden drei wesentliche Probleme deutlich:

  1. Zunächst sind die Eigentümer weder juristisch, kaufmännisch noch bautechnisch so geschult, dass sie sich mit der Kompliziertheit beim Wohnungserwerb und -besitz ausreichend auseinandersetzen können. Exemplarisch dafür stellte sich in der Diskussion heraus, dass keiner der Teilnehmer praktische Erfahrungen mit energetischer Sanierung im Bestand hatte.
  2. Zweites Problem: Die Hausverwalter sind in der Regel „alte Hasen“, ohne dass sie ihre beruflichen Kenntnisse je nachweisen mussten. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Gerade die unterschiedlichen Interessen von Selbstnutzern und Kapitalanlegern sind schwer in Einklang zu bringen.
  3. Und des Weiteren: Bei der energetischen Sanierung wird nicht gemessen. Es gibt nur theoretische Berechnungen. Eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit und energetischen Notwendigkeit in der Praxis erfolgt überwiegend nicht.

Nicht nur die Probleme, auch Lösungen wurden im Rahmen des Treffens diskutiert. An wen solle man sich wenden bei Fragen der energetischen Sanierung, fragte ein Teilnehmer. Herr Mindrup verwies auf die Berliner Energieberatung. Denn oft bestehe das Problem darin, den richtigen Energieberater zu finden. Eine Liste von Energieberatern könne über die Verbraucherzentrale eingesehen werden.

Als konkrete Maßnahme aus der Veranstaltung kündigte Herr Mindrup an, den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages zu beauftragen, zu untersuchen, wie die Verwaltertätigkeit in anderen europäischen Ländern geregelt ist. Der Bundestagsabgeordnete wird über die ersten Ergebnisse berichten."