23.05.2019. Zieht vom Nachbarbalkon der Duft nach Grillwürstchen herüber, regt das nicht selten den Appetit auf einen zünftigen Nachbarschaftsstreit an. Denn zum Grillen gehört auch Qualm. Kommt eine lustig-laute Gesellschaft dazu, wird es in den meisten Häusern Mitbewohner geben, die das gar nicht komisch finden.

"Auf das liebste Sommerhobby braucht dennoch niemand zu verzichten", sagt Gabriele Heinrich, Vorstand des Verbraucherschutzverbands Wohnen im Eigentum (WiE). "Allerdings gibt es Regeln", informiert Heinrich.

In Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) kann jede/r Eigentümer/in verlangen, dass die anderen Eigentümer (und deren Mieter) die Gesetze und die Hausordnung der WEG einhalten. Grundsätzlich gilt:

  • Was Lärm betrifft, herrscht in Wohngebieten die gesetzlich geregelte Nachtruhe ab 22 Uhr. Danach sind Musik und laute Gespräche, die die Ohren von Nachbarn erreichen, tabu.
  • Grills auf Balkone zu benutzen kann aus Brandschutzgründen oder wegen Geruchsbelästigung durch die Hausordung der WEG verboten sein.

Ausgewogene Hausordnung beschließen

Was, wenn es keine Hausordnung gibt? "Den Beschluss einer Hausordnung kann jeder Wohnungseigentümer verlangen, der sich gestört fühlt", erklärt Heinrich. Nach § 21 WEGesetz gehört die Aufstellung einer Hausordnung zur ordnungsmäßigen Verwaltung. Über die Inhalte können die Eigentümer eine Vereinbarung treffen, die alle unterschreiben. Alternative: Sie entscheiden darüber in der Eigentümerversammlung per Mehrheitsbeschluss. In diesem Fall kann die Hausordnung wenn nötig auch wieder durch Mehrheitsbeschuss geändert bzw. angepasst werden. "Festgelegt werden sollten vernünftige, ausgewogene Regelungen, die zwar Grenzen setzen, aber auch nicht täglich alles verbieten", rät Heinich. "Ist die Hausordnung wesentlich strenger als das Gesetz, indem sie z.B. Lärm auf Balkonen generell zu jeder Zeit untersagt, kann das nichtig sein."

Verstoßen Eigentümer oder Mieter gegen Gesetze oder die Hausordnung der WEG, muss die Verwaltung eingreifen, auf die Regeln hinweisen und Abmahnungen aussprechen. Uneinsichtige haben schlimmstenfalls Klagen auf Unterlassung und Schadenersatz zu befürchten. Gegenüber Mietern gilt: Sie haben einerseits ein Recht auf Mietminderung, wenn ihr Vermieter auf Beschwerden hin nicht tätig wird und für die Einhaltung von Nachtruhe & Co. sorgt. Stören Sie selbst, kann das andererseits den Vermieter zur Kündigung berechtigen.

Modernisierung der WEG durch Gemeinschaftsgrill erwägen

Wenn gemeinsam gegrillt werden soll, kann die WEG die Einrichtung eines Gemeinschaftsgrills im Außenbereich der Wohnanlage beschließen. "Eine solche Maßnahme kann eine Modernisierung sein", erläutert Gabriele Heinrich. Modernisierungen kann die WEG nach § 22 Abs. 2 WEGesetz mit der doppelt qualifizierten Mehrheit beschließen. Das heißt: Zustimmen müssen 3/4 aller stimmberechtigten Wohnungseigentümer, die zusammen mehr als die Hälfte aller Miteigentumsanteile besitzen. "Aber Vorsicht", warnt Heinrich, "am Gemeinschaftsgrill entzündet sich leicht neuer Streit! Ihre WEG sollte unbedingt auch eine Gebrauchsregelung beschließen mit Reservierungsrechten, Zeitregelung und Aufräumpflichten."

Alles Wissenswerte zu Modernisierungen und baulichen Veränderungen finden Interessierte im WiE-Ratgeber „Der Modernisierungs-Knigge für Wohnungseigentümer“, der hier bestellt werden (oder als pdf heruntergeladen werden kann).