Verwalter-Zertifizierung: Das Ende von 70 Jahren Wildwuchs?

 

Anspruch auf eine zertifizierte Verwalter*in im Wohnungseigentumsgesetz

Nach dem neuen Wohnungseigentumsgesetz haben Wohnungseigentümer*innen ab dem 01.12.2022 einen Anspruch auf die Bestellung eines „zertifizierten Verwalters“ für die Verwaltung des Gemeinschaftseigentums (§ 19 Abs. 2 Nr. 6; § 26a). Das bedeutet: In WEGs mit mehr als acht Sondereigentumsrechten[WiE1] kann jede Eigentümer*in verlangen, dass eine von der IHK zertifizierte Dienstleister als Verwalter bestellt wird. Für kleine WEGs mit weniger als 9 Sondereigentumsrechten gilt: Hier muss mindestens ein Drittel der Eigentümer*innen dies verlangen.

Für bereits bestellte Verwalter*innen gilt eine Übergangsfrist bis 01.06.2024.

Verordnungs-Entwurf für die Zertifizierung

Die Prüfungsinhalte und -verfahren u.a. werden vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) in einer Rechtsverordnung festgelegt. Die Prüfungen werden auf dieser Grundlage dann zukünftig durch die Industrie- und Handelskammern erfolgen. Das BMJV hat im Juni 2021 den Entwurf für eine Rechtsverordnung (ZertVerwV) vorgelegt, WiE hat dazu eine Stellungnahme abgegeben.

Als Wohnungseigentümer- und Verbraucherschutzverband hält Wohnen im Eigentum die Einführung einer Zertifizierung für gewerblich tätige Verwalter*innen für zwingend notwendig, um die Qualität der Verwalterleistungen insgesamt zu verbessern und Wohnungseigentümer*innen die Suche nach qualifizierten Verwalter*innen zu erleichtern.

Damit das Gesetz seiner Zielsetzung – Vereinheitlichung und Erhöhung der Verwalterkompetenzen sowie Verbesserung des Verbraucherschutzes – tatsächlich gerecht wird, sieht WiE allerdings noch deutlichen Nachbesserungsbedarf am Verordnungsentwurf (siehe ausführliche WiE-Stellungnahme zum Entwurf der Rechtsverordnung).

Die wichtigsten Kernforderungen von Wohnen im Eigentum:

  • Kompetenzüberprüfung, keine reine Wissensabfrage: Die Prüfung darf sich nicht auf eine reine Wissensabfrage beschränken, sondern muss auch die beruflichen Handlungsfähigkeiten der Verwalter-Personen umfassen.
  • Keine Zertifizierung ohne Praxiserfahrung: Als Voraussetzung für die Zulassung zur Zertifizierungsprüfung muss eine einschlägige berufliche Praxis nachgewiesen werden (z.B. eine zweijährige Tätigkeit in der WEG-Verwaltung). Ansonsten kann jede Person ohne jegliche Berufs- und Praxiserfahrung die Prüfung ablegen und das Zertifikat erhalten. Diese Voraussetzung muss auch für die gleichgestellten Berufsgruppen wie Absolventen eines immobilienwirtschaftlichen Hochschulstudiums, Volljuristen und Immobilienkaufleuten gelten.
  • Da in sehr vielen Fällen auch GmbHs oder andere juristische Personen als Verwalter bestellt werden, müssen auch diese den Status „zertifizierter Verwalter“ erhalten. Die für diesen Status vorgesehenen rechtlichen Vorgaben (eine Gesellschaft kann ja keine Prüfung ablegen) reichen allerdings nicht aus. Gesellschaften müssen ihren Zertifizierungs-Status gegenüber den Wohnungseigentümer*innen nachweisen, insbesondere jederzeit bei personellen Veränderungen. Der von WiE vorgeschlagene Nachweis kann über die Einführung eines öffentlich zugänglichen Registers für zertifizierte Personen, juristische Personen und Personengesellschaften bei den IHKs, die Einführung einer Informationspflicht der Gesellschaften gegenüber Wohnungseigentümer*innen und einem Auskunftsrecht für Wohnungseigentümer*innen erreicht werden. Außerdem müssen Sanktionen eingeführt werden bei ordnungsrechtswidrigem Verhalten dieser Unternehmen.

Die Zertifizierung sieht WiE als einen ersten Schritt hin zu einem anerkannten Ausbildungsberuf „WEG-Verwalter/in“.

 

Seite zuletzt aktualisiert am: 22.02.2021