Auf gute Nachbarschaft: Konflikte konstruktiv lösen

11.09.2018. In jeder Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG), aber auch zwischen Nachbarn, gibt es Konflikte. Denn oft treffen verschiedene Interessen aufeinander. Die Tipps des Instituts für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (IKuF) helfen, Auseinandersetzungen konstruktiv auszutragen und ein friedliches und produktives Miteinander in der WEG bzw. in der Nachbarschaft zu erreichen.

In Konfliktmanagement-Trainings im beruflichen Kontext lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Konflikte zu verstehen und in Konflikt-Situationen produktiv zu handeln. Im privaten Rahmen ist eine solch intensive Beschäftigung mit dem Thema „Umgang mit Konflikten“ meist nicht möglich. Kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Nachbarn oder Eigentümern, versuchen daher viele Haus- und Wohnungseigentümer bzw. Verwaltungsbeiräte von WEGs, die Konflikte mit „Bordmitteln“ zu lösen. Mit anderen Worten: Sie wenden eigenes Alltags- bzw. Erfahrungswissen an, um Lösungen zu finden.

Bei manchen Konflikten zwischen den Eigentümern oder mit dem Verwalter reicht dieses Wissen jedoch nicht aus. Für die Lösung von komplexen (insbesondere bereits eskalierten) Konflikten sind professionelle Konfliktmanagement-Kenntnisse erforderlich.

IKuF-Tipp 1: Machen Sie Ihr Gegenüber nicht zum Alleinschuldigen

Es ist einfach und daher häufig zu beobachten: Die Ursache des Konflikts wird im Verhalten des Gegenübers gesucht und gefunden. Der Konflikt wird als Ergebnis einer „Charakterschwäche“ des anderen erlebt, er wird zum Schuldigen: Die Charakterzüge des Gegenübers sind nur schwer zu verändern. So habe ich – als Konflikt-Beteiligter – scheinbar keine Möglichkeit, in konstruktiver Weise auf den Konflikt Einfluss zu nehmen.

Der Konflikt wird durch diese einseitige Wahrnehmung aber nicht gelöst, sondern die Situation verhärtet sich nur. Erkennen Sie, dass ein Konflikt – wie jede Kommunikation – eine Interaktion ist. Es gibt Wechselwirkungen. Auch Sie selbst tragen zur Konflikt-Dynamik bei – mit Absicht oder aus Versehen. Reflektieren Sie daher Ihr eigenes Verhalten im Konflikt!

IKuF-Tipp 2: Verlassen Sie nicht den „Boden der respektvollen Kommunikation“

Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.“ Mahatma Ghandi

Jeder Austausch von Meinungen und Interessen wird unproduktiv, wenn ein Beteiligter nicht mehr respektvoll kommuniziert. Der Auslöser für eine respektlose Kommunikation ist meist Ärger oder Wut.

Diese Gefühle werden in der Regel durch den Inhalt des Konflikts ausgelöst. Sie führen zu einem forschen Tonfall oder zu aggressiven Formulierungen wie „Das ist doch Blödsinn, was Sie da sagen!“. Im Zorn werden dem Gegenüber teilweise auch böswillige Handlungen unterstellt: „Sie tun das doch nur, um …“. Zusätzlich neigt der im Streitgespräch emotional Getriebene zu Beleidigungen: „Sie sind doch …“ oder „Leute wie Sie, die …“.

Auch wenn Sie über eine Situation in der WEG oder in der Nachbarschaft verärgert sind: Bleiben Sie immer sachlich und konstruktiv. Wer sich respektlos behandelt fühlt, hat kein offenes Ohr für Ihre Argumente. Selbst wenn Ihr Gegenüber nicht respektvoll kommuniziert: Lassen Sie sich nicht „anstecken“. In manchem Moment ist es besser, die Konflikt-Situation zu verlassen, wenn dadurch eine Eskalation zu verhindern ist. 

IKuF-Tipp 3: Lösen Sie die Konflikte durch Mediation statt durch eine juristische Auseinandersetzung

Können sich die Konflikt-Parteien nicht einigen, wird der Konflikt schließlich gerichtlich ausgetragen. Vor Gericht wird – mit (teilweise hohem) Zeitaufwand und Kosten – eine Lösung auf der Sach-Ebene erreicht. Eine Seite setzt sich durch, eine Seite muss nachgeben. Oder es gibt einen Vergleich, der häufig für beide Seiten unbefriedigend ist.

Durch ein Gerichtsurteil oder einen Vergleich wird ein Konflikt häufig nur vordergründig gelöst. Das Klima in der WEG oder zwischen den Nachbarn bleibt „vergiftet“.

Eine sinnvolle Alternative zum Gerichtsverfahren ist eine Mediation. Anders als eine Gerichtsverhandlung setzt die Mediation nicht nur auf der Sach-Ebene an, sondern auch auf der Beziehungs-Ebene. Der Mediator ermöglicht die Kommunikation zwischen den beiden Konfliktparteien, die nicht mehr angemessen miteinander sprechen können. Die Beteiligten erleben den Mediationsprozess in der Regel als konstruktiv und produktiv.

Bei einer erfolgreichen Mediation ist die Kommunikation respektvoll; es werden Lösungen erzielt, mit denen beide Seiten leben können. Die Mediation wirkt daher „entgiftend“ auf das Klima und die Beziehungen. Die Konfliktbeteiligten sind teilweise überrascht, wenn ein festgefahrener Konflikt durch eine Mediation erfolgreich bearbeitet werden kann. Ein weiterer  Vorteil ist, dass eine Mediation meist kostengünstiger ist als ein Gerichtsverfahren.

 

Der Autor:

Dr. Timo Müller promovierte im Bereich der Konfliktforschung und leitet das IKuF – Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (www.ikuf.de). Als Experte für „erfolgreiches Konfliktmanagement” und „motivierende Feedback-Kommunikation“ engagiert er sich im deutschsprachigen Raum als Business-Trainer, Vortragsreferent, Konfliktmoderator/-coach und Autor. Er leitet neben Inhouse-Kursen auch offene IKuF-Kurse in den Regionen Köln, Hamburg und München.

Aktuell - Unterhaltsames Sachbuch: "Bevor der Sturm beginnt. Wie Führungskräfte effektiv Konflikte verhindern und bewältigen" (2018).