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Sparkasse steht weiterhin zu Treuhandkonten

8. Mai 2014 So viel wissen die Eigentümer von rund 3000 Wohnungen im Großraum Bonn: Ihr Rest-Geld liegt bei der Sparkasse KölnBonn. Aber wie viel von Ihrem Geld noch insgesamt da ist, was auf welche Eigentümergemeinschaften entfällt, wissen sie nicht und das seit 5 Monaten. Die Sparkasse lehnt jede Auskunft darüber ab: Bankgeheimnis. Tatsächlich gehört den Wohnungseigentümern das Geld zwar wirtschaftlich, formal und rechtlich betrachtet aber ihrer – früheren – Hausverwaltung. Denn das Geld liegt auf sogenannten Treuhandkonten, die auf den Namen der Verwaltung lauten, sie ist Kontoinhaberin.

Zum Hintergrund: Gegen die Verwaltung laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen Veruntreuung, es gab eine Hausdurchsuchung, wohnen im eigentum und die Medien berichteten darüber. Obwohl die Angelegenheit bereits Ende 2013 von wohnen im eigentum an die Öffentlichkeit gebracht wurde, gibt es immer noch große Unklarheiten. Klar ist: Die Verwaltung hat Gelder zwischen den verschiedenen Treuhandkonten und Sparbüchern der von ihr „betreuten“ Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) hin- und hergeschoben. Heute weiß niemand, wie die Gelder den einzelnen WEGs zuzuordnen sind, offenbar auch die Sparkasse nicht. Sie hat eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, Licht ins Dunkel zu bringen. Einstweilen erfahren die Eigentümer nicht, was mit ihrem Geld ist. Ebenso wenig, bis wann dies so bleibt und was in Zukunft damit passieren wird. Sie haben keinen Zugriff darauf, obwohl sie weiter laufenden Unterhaltskosten und notwendige Instandhaltungen für ihre Wohnanlagen bezahlen müssen. In vielen WEGs mussten die Wohnungseigentümer zusätzliche Sonderumlagen aufbringen.

Die Sparkasse trifft eine – zu mindestens moralische – Mitverantwortung. Deshalb fordert wohnen im eigentum, alles gesetzlich Machbare zu unternehmen, um die rasche Klärung der Kontensituation zu erreichen und den betroffenen Wohnungseigentümern Auskunft zu erteilen. Die Sparkasse hat auf die Verwaltung Feldmann einzuwirken, damit die Beträge offengelegt werden.

„Die Sparkasse sollte politisch und öffentlich Zeichen setzen und zu ihren Fehlern stehen.“ so Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin von wohnen im eigentum. „Auch wenn sie sich zu Details der Konten vielleicht nicht äußern kann, wäre es das Mindeste, dass sie die wirtschaftlichen Eigentümer der bei ihr liegenden Gelder über Stand und Fortgang des Klärungsprozesses informiert, und das kontinuierlich. Stattdessen hüllt sie sich in Schweigen und zieht sich hinter das Bankgeheimnis zurück.“

„Wenn sie außerdem - trotz Beschwerden von Wohnungseigentümern - jahrelang zugelassen hat, dass ein Verwalter WEG-Gelder in hohen Summen auf altmodischen Sparbüchern auf seinen Namen deponieren und von diesen Sparbüchern Überweisungen und Lastschrifteinzüge vornehmen konnte, dann sollte sie sich jetzt um so engagierter für die Schadensbegrenzung einsetzen, für die Risikovermeidung eintreten und insgesamt die Kundenbetreuung für die Wohnungseigentümer verbessern. Bisher macht sie es sich sehr einfach.“

Die Sparkasse KölnBonn hat anscheinend aus dem Veruntreuungsfall wenig gelernt. Sie will weiterhin an Treuhandkonten für WEGs eingeschränkt festhalten, wie sie in einem Schreiben an wohnen im eigentum darlegt – mit der Begründung, dass die Wahl der Kontoführungsform in den eigenständigen Verantwortungsbereich der WEGs und ihrer Verwaltungen fällt. Da die meisten WEGs nicht um die Risiken der Treuhandkonten wissen - u.a. da die Sparkassen und Banken sie nicht aufklären -, fragt Heinrich: „Würde ein Autohändler ein Auto mit Bremsen nur dann verkaufen, wenn der Kunde danach fragt?“

Die Sparkasse will „für die Menschen in Köln und Bonn da sein“ und „den Menschen helfen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“ und sieht sich als sicheres Kreditinstitut der kleinen Leute. Für die Betroffenen dieses Skandals und die Wohnungseigentümer überhaupt ist sie es bisher nicht.

„Wohnungseigentümergemeinschaften können wir derzeit keine Kontoeröffnung bei der Sparkasse KölnBonn empfehlen.“

 

Alle Infos zum Veruntreuungsfall im Raum Bonn.

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