Konten außer Kontrolle?

Sie gehören zum Verwaltungsbeirat einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG)? Sie sind Miteigentümer/in? Dann kennen Sie das typische Frage-Antwort-Spiel:

  • Wer ist Inhaber/in des WEG-Kontos? Keine Ahnung.
  • Allgemeine Kontoeröffnungstipps auf der Bank-Website? Nie gesehen.
  • Öffentliche Preislisten zu den Kontoführungsgebühren? Nicht gefunden.
  • Jederzeitige Auskunft über den Kontostand? Wurde von der Bank abgelehnt.
  • Beratung über die Möglichkeiten der Kontenkontrolle? Gibt es nicht.

Transparenz, Sicherheit, Kontrolle – alles Fehlanzeige, wenn es um WEG-Konten geht. WEGs sind weit davon entfernt, sich bei Kreditinstituten als König Kunde zu fühlen.

 

Die Praxis der Banken und Sparkassen

Wenn es um die WEG-Konten geht, sehen Banken und Sparkassen nicht die Wohnungseigentümer als ihre Kunden an, sondern allein die Verwaltungen. Das hat Wohnen im Eigentum e.V. auf vielen Wegen erfahren: im Rahmen der Aktion zu Treuhandkonten, aus Erfahrungsberichten von Verwaltungsbeiräten und uns gemeldeten Veruntreuungsfällen. Dass Verwaltungen nur Bevollmächtigte sind, welche die Hausgelder und die Rücklagen der Wohnungseigentümer für die WEG verwalten, ist bei den Kreditinstituten noch nicht angekommen.

„Natürlich muss die Einrichtung und das Führen von WEG-Konten in den Händen der Verwaltungen liegen – das gehört zu ihren Aufgaben“, erklärt WiE-Geschäftsführerin Gabriele Heinrich. „Aber es darf nicht sein, dass sämtliche Informationen über die WEG-Konten, die Preise, die Dienste und die Kontenbewegungen von den Banken und Sparkassen allein an die Verwaltungen übermittelt werden. Das öffnet Manipulationsmöglichkeiten Tür und Tor, und die Wohnungseigentümer werden außerdem für unmündig erklärt oder gehalten.“

Ein- und Überblick über die eigenen Konten zu erhalten und zu behalten, betrachtet WiE als grundlegendes Recht jeden Verbrauchers, ja als Selbstverständlichkeit. Ohne diese Möglichkeiten werden Unregelmäßigkeiten in der Kontoführung häufig spät oder zu spät erkannt. Im Krisenfall –also bei fehlenden Geldbeträgen, vermuteter Veruntreuung von WEG-Geldern, Insolvenz oder plötzlichem Tod des Verwalters – stellen WEGs dann nicht selten erstaunt fest, dass

  • Verwaltungen offenkundig eigenmächtig gehandelt und Konten umgestellt haben, WEG-Beschlüsse oder Vorgaben im Verwaltervertrag nicht umgesetzt oder zu hohe Ausgaben ohne Beschluss getätigt haben, aber
  • sie selbst als WEG von den Zahlungsdienstleistern keine Auskunft über ihre Konten erhalten.

Das darf nicht sein, sagt WiE. Es muss mehr Informationspflichten für die Banken und Sparkassen und mehr Kontrollrechte für die WEGs geben!

Foto Politik Interessenvertretung Wohnungseigentümer Lobbyarbeit

WiE-Stellungnahme:
Konten außer Konrolle?

[PDF I 238 KB]

 

Ergebnis des BMJV-Verbändesgesprächs zu WEG-Treuhandkonten und Informationspflichten für Kreditinstitute
[PDF I 106 KB]

 

Insolvenzverwalter: WEG-Gelder haben nichts auf Treuhandkonten zu suchen
Wie können Wohnungseigentümer den Verlust ihrer Rücklagen verhindern? Ist mehr Verbraucherschutz notwendig? Zu diesen Fragen hat WiE Rechtsanwalt Dr. Andreas Schulte-Beckhausen interviewt. Er ist der Insolvenzverwalter im Fall Feldmann. Auch Dr. Schulte-Beckhausen unterstrich vehement, dass Treuhandkonten auf den Namen des Verwalters für WEG-Gelder ungeeignet sind.
Das vollständige Interview finden Sie hier.

 

Fakten zum Veruntreuungs-„Supergau“ in Bonn und der Rolle der Sparkasse
Welche immensen Schäden WEGs mit Treuhandkonten erleiden und welche unrühmliche Rolle Sparkassen und Banken dabei spielen können, zeigt der schwerwiegende Fall der Veruntreuung von WEG-Geldern im Bonner Raum.
Hier die bekannt gewordenen Fakten.